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Freitag, 10. Februar 2012
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Synthetische Biologie Lebewesen oder Maschine?

28.01.2008 ·  Erstmals ist es gelungen, das Genom eines Organismus' aus chemischen Einzelteilen nachzubauen. Die synthetische Biologie wirft philosophische Fragen auf. Brauchen wir eine neue Definition von Leben? Fragen an den Regierungsberater Huib de Vriend.

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Huib de Vriend ist unabhängiger Berater. Er hat für das niederländische Rathenau Institut eine Studie über „Constructing Life“ verfasst. Die Synthetische Biologie steht kurz davor, künstliches Leben schaffen zu können. Eine künstliche Lebensform wirft weit reichende Fragen auf.

Wo sehen Sie den Unterschied zwischen Gentechnik und Synthetischer Biologie?
Bisher nutzen wir vor allem, was natürlich vorhanden ist, verändern es vielleicht etwas. Proteinsynthese ist „business as usual“. Nun lassen sich DNA-Teilstücke zu einem Genom zusammensetzen, das es so in der Natur nicht gibt. Wir verwenden auch Erbinformationen, die bisher nicht existieren. Die Synthetische Biologie wird interessante Fragen an die Philosophie stellen.

Welche zum Beispiel?
Was ist Leben? Wir werden uns vielleicht neue Definitionen suchen müssen für Lebewesen und Maschinen, da Techniker nun biologische Systeme nutzen. Die Kombination verschiedener Technologien eröffnet eine andere Sicht der Dinge.

Noch hat Craig Venter kein „künstliches Leben geschaffen“, wie er es angekündigt hat. Kritiker sagen auch, die Komplexität der Biologie wird es verhindern.
Das mag sein. Sicherlich müssen wir abwarten, ob es funktioniert. Doch hier wirken nicht nur Systembiologen, die Zusammenhänge verstehen wollen und was ein Minimalsystem zum Leben braucht. Hier wirken Ingenieure, die versuchen, das System zu vereinfachen.

Weckt das nicht Ängste vor Risiken und Missbrauch?
Jede Technologie liefert Nutzen und Missbrauch. Wir müssen die Folgen abschätzen und Sicherheitskontrollen einführen, was auch längst passiert. Ethische Einwände sind verständlich. Zugleich muss man berücksichtigen, dass die zukünftigen Entwürfe zwar auf natürlichen Prinzipien beruhen, aber einem kreativen Prozess entstammen, ähnlich einem Fernsehgerät.

Plädieren Sie deshalb für eine frühe öffentliche Debatte?
Es ist wichtig, dass dieses Forschungsgebiet schon in seinen Anfängen beginnt, ethische Fragen zu stellen und die Öffentlichkeit einzubeziehen. Anders als bei der Gentechnik - bevor die ersten Produkte auf dem Markt sind. Wir müssen die Debatte führen, sie wird allerdings kaum im Konsens enden. Doch es ist immer besser, etwas zu wissen und informiert zu sein. Die Gesellschaft sollte dabei bedenken, dass sie auf Fortschritt ausgerichtet ist. Und wenn man sich ganz gegen eine Technologie sträubt, verpasst man auch die Chance, Einfluss und Kontrolle über etwas zu gewinnen, was geschehen wird.

Das Gespräch führte Sonja Kastilan.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.01.2008, Nr. 4 / Seite 61
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