Home
http://www.faz.net/-gx5-10zya
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Stammzellenforschung Wirkstoffe statt Gene

07.11.2008 ·  Wirkstoffe statt Gene: Neue Stammzellen aus der Haut

Von Joachim Müller-Jung
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Bei der Umwandlung gewöhnlicher Körperzellen zu medizinisch vielseitig verwendbaren Stammzellen ist man wieder einen kleinen Schritt weitergekommen. Zum ersten Mal hat eine deutsch-amerikanische Gruppe mit Hautzellen von Mäuseembryonen gezeigt, dass zwei der normalerweise vier mit Viren eingeschleusten Genschalter, die für die Umprogrammierung des Genoms benötigt werden, vollständig durch kleine, biochemisch aktive Moleküle ersetzt werden können. Damit ist der Weg geebnet, irgendwann tatsächlich vollständig auf die potentiell tumorauslösende Einschleusung von Fremdgenen mittels Viren verzichten und die künstlichen - "induzierten" - Stammzellen ganz auf chemischem Wege aus leicht zugänglichen Körperzellen erzeugen zu können.

Moleküle, die Reprogrammierung fördern

Wie die Gruppe um Sheng Ding vom Scripps Research Institute in La Jolla und Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster in der Zeitschrift "Cell Stem Cell" (Bd. 3, S. 568) berichtet, hat man den Hautfibroblasten auf gentechnischem Weg zwei bekannte Gene - Oct4 und Klf4 - zugefügt. Die Produkte, die daraus hervorgehen, sind wichtige Werkzeuge bei der Neuprogrammierung der Erbanlagen. Zwei weitere Schlüsselfaktoren, Sox2 und c-Myc, wurden überflüssig, nachdem man zwei Moleküle - "BIX" und BayK8" - zufügte. Beide Verbindungen waren schon früher als mögliche Reprogrammierungskandidaten aufgefallen. Bei BIX handelt es sich um eine Verbindung, die ein Enzym der Genaktivierung hemmt und damit offenbar die Bereitschaft des Erbmaterials zur Reprogrammierung erhöht. Die andere, BayK, aktiviert Kalziumkanäle. Sie greift nicht direkt in die Genregulation ein, sondern forciert wohl die Umprogrammierung über ihre Signalwirkung in den Zellen. Wie genau die Mechanismen ablaufen, weiß man allerdings noch nicht.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

Jüngste Beiträge

Das Gespenst Gentechnik geht

Von Joachim Müller-Jung

Während fast überall auf der Welt neue Nutzpflanzen gezüchtet werden, sinkt das Interesse für die grüne Gentechnik in Deutschland und Europa ständig. Auf dem Acker fahren wir im Rückwärtsgang. Die EU-Kommission versucht das zu ändern. Mehr 9 7