01.07.2007 · Auf der Suche nach neuen Stammzellen-Linien sind Forscher bei Nagetieren fündig geworden. Sie konnten Zellen gewinnen, die den menschlichen Stammzellen sehr ähnlich sind und so die Forschung noch schneller voranbringen könnten.
Aus Embryonen von Mäusen und Ratten, die sich bereits in die Gebärmutter eingenistet hatten, haben zwei Wissenschaftlerteams unabhängig voneinander neuartige embryonale Stammzellen gewonnen. Diese ähneln, sowohl was die Wachstumsbedingungen in der Kulturschale als auch das Aussehen der Zellkolonien und die Genaktivierungsmuster angeht, überraschend stark menschlichen embryonalen Stammzellen.
An der Entdeckung in britischen und amerikanischen Labors, über die in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Nature“ berichtet wird, war die deutsche Stammzellforscherin Gabrielle M. Brons wesentlich beteilgt. Sie arbeitet mit Roger Pedersen und Ludovic Vallier am Institute for Medical Research der University of Cambridge in England.
Erforschung noch schneller voranbringen
Embryonale Stammzellen von Mäusen werden schon seit knapp fünfundzwanzig Jahren kultiviert und bildeten bis zur ersten Isolierung menschlicher embryonaler Stammzellen 1998 die wichtigste Grundlage der medizinischen Stammzellforschung. Allerdings unterscheiden sich die Mäusestammzellen von denen des Menschen in vielerlei Hinsicht. So bedarf es zur Vervielfältigung und Aufrechterhaltung der extremen Wandlungsfähigkeit - der Pluripotenz - bei den Nagern eines Wachstumsfaktors, eines sogenannten Leukämie-Inhibitorfaktors, bei menschlichen embryonalen Stammzellen hingegen völlig anderer Zusätze.
Die neuen Stammzellen, die jetzt aus dem als Epiblast bekannten inneren Gewebe von einer Woche alten Embryonen gewonnen wurden, gleichen in der Hinsicht den menschen Zellkulturen. Sie bilden in den Embryonen die unmittelbaren Vorläufer der Körper- und Keimzellen. Inzwischen haben die Forscherteams mehrere Linien mit den als „Epiblasten-Stammzellen“ bezeichneten Kulturen etablieren. Sie sollen die Erforschung der Pluripotenz von Stammzellen noch schneller voranbringen.