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Obamas Berater Wissenschaftler fürs Weiße Haus

Mit der Bestellung von vier Wissenschaftlern zu seinen Beratern hat Barack Obama an die Versprechungen der Clinton-Jahre angeknüpft und zwei große Forschungsthemen in den Vordergrund gerückt: Klima und Genom.

© AP Vergrößern

Das war eine klare Ansage und vielleicht mehr noch eine veritable Seelenmassage. Amerikas künftiger Präsident Obama hat vier unabhängige, politisch unverbrauchte Wissenschaftler in seinen Beraterstab geholt, die das Willkürsystem der Bush-Regierung schnell vergessen lassen und zugleich an die euphorischen Clinton-Jahre anknüpfen sollen. John Holdren, Eric Lander, Harold Varmus, Jane Lubchenco – das sind die vier Namen, die für zwei große Forschungsthemen stehen: Klima und Genom.

Es sind die Themen, die in der Ära Clinton so rasant an Beachtung gefunden hatten, wie sie diese hinterher wieder verlieren sollten. Bushs klimakritische Haltung, vor allem aber die zuweilen unverhohlene Zensur, die Bushs Vertrauensleute in den Schaltstellen der Umwelt- und Forschungsbehörden an den Tag legten, haben eine bis dahin beispiellose und fast ausnahmslose Verachtung in der Wissenschaftsgemeinde erzeugt. Obama hat vor allem, was das angeht, in seiner Videobotschaft radikale Korrekturen versprochen: „Fortschritt in Freiheit“, lautet stattdessen seine Ansage.

Ideale Besetzung

Holdren und Lubchenco sind dazu als Rückgrat einer – wie die meisten hoffen, liberaleren, zeitgemäßeren – Klimapolitik ausersehen. Holdren, ein Physiker, ist seit drei Jahren Direktor des Woods Hole Research Centers und überzeugter Verfechter drastischer Emissionseinsparungen. Er wird Direktor des White House Office of Science and Technology und gleichzeitig Co-Vorsitzender von Obamas Präsidentenberaterstab. Jane Lubchenco gilt dazu als ideale Ergänzung. Nicht nur, weil beide in Harvard ausgebildet wurden, sondern weil sie als ehemalige Präsidenten und gewissermaßen als mächtigste Lobbyisten der größten Wissenschaftsorganisation der Welt, der AAAS, als Integrationsfiguren zwischen den auseinanderdriftenden Wissenschaftskulturen gelten. Lubchenko, die derzeit Zoologin und Meeresforscherin an der Oregon State University ist, wird Leiterin der nationalen Ozean- und Atmosphärenforschungsbehörde „Noaa“.

Dass Obama zu dem von Anfang an favorisierten Klimathema die Genomforschung oben auf seine forschungspolitische Tagesordnung gehoben hat, dürfte viele überrascht haben. Nach der Präsentation des – großteils – entzifferten Humangenoms durch Clinton im Weißen Haus im Sommer 2000 war es still um die Genforscher geworden. Der Fortschritt in den Labors kommt seither eher wieder auf leisen Sohlen daher, aber alles andere als in kleinen Schritten.

Von Clinton zu Obama

Eric Lander, einer der Antreiber im internationalen Humangenomprojekt, steht dafür wie kaum ein anderer. Am Massachusetts Institute of Technology forciert er seit Jahren die Entwicklung neuer Techniken, ohne dem bioethischen Diskurs aus dem Weg zu gehen. Als nicht minder, aber sicher schon länger profiliert bei diesem Thema gilt der Krebsforscher und Nobelpreisträger Harold Varmus. Er war schon von Bill Clinton zum Leiter der nationalen Gesundheitsbehörde NIH berufen worden. Dort wird der für ein einzelnes Institut größte Forschungshaushalt der Welt investiert.

Das Institut hatte unter Bushs rigider Forschungspolitik zuletzt besonders an Ausstrahlung und Anziehungskraft verloren. Der Abgang seines Direktors vor wenigen Monaten war einer der traurigen Höhepunkte im Streit mit der Bush-Regierung.

Quelle: F.A.Z.

 
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