18.05.2004 · Das Gesunde des Fisches vom trockenen Acker gentechnisch manipuliert in ethische Münder? Was? Ein Kommentar.
Genmanipulierte Nahrung gehört zu den hartnäckigsten Ladenhütern. Warum auch sollte man zu einem solchen Produkt greifen, wo doch ein persönlicher Nutzen nicht zu erkennen ist. Der Verbraucher hat nichts davon, daß Gentechnikfirmen an Patenten verdienen, Landwirte mit weniger Spritzmitteln auskommen und Handelsketten die Ware länger lagern können.
Ihm bleibt vom vielbeschworenen Nutzen gentechnisch veränderter Nahrungsmittel nur die Schattenseite - das mulmige Gefühl, es könne doch ein Restrisiko geben. Den jüngsten Vorstoß, die Kaufbereitschaft anzuregen, haben jetzt britische Pflanzenzüchter unternommen. Das Gewächs, das sie im Labor kreiert haben, wirkt auf den ersten Blick freilich wenig anheimelnd. Es handelt sich um ein Unkraut, die Ackerschmalwand, das man mit Genen von zwei Meeresalgen und einem Pilz ausgestattet hat. Genau diese pikante Mischung, später etwa im Raps oder Lein eingebaut, soll einen besonderen Gesundheitskick garantieren.
Die Gene sorgen für einen hohen Gehalt an langkettigen, mehrfach ungesättigten Omega-Fettsäuren, wie man sie sonst besonders in Fisch findet. Die Fette sind bekanntlich der Gesundheit zuträglich. Das müßte die auf der Wellness-Welle schwimmenden Verbraucher vom Nutzen der Gentechnik überzeugen. Auch die Fische könnten profitieren. Ihre Bestände werden nicht zuletzt wegen des gesunden Fleisches oft rücksichtslos geplündert. Das veranlaßt die Forscher, die Vorteile ihres Fisch-Pflänzchens zu preisen.
So stellt man sich Gentechnik vor: Statt Fische im Meer zu fangen, erntet man sie vom Acker - Grüne Heringe also.