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Immunsystem bestimmt Parfümwahl Der Duft der Abwehr

Menschen halten ihrem Parfüm oft lebenslang die Treue. Offenbar wollen sie den Geruch von körpereigenen Peptiden mit der gewählten Duftnote verstärken, zeigen jetzt deutsche Forscher.

© dpa Vergrößern

Menschen besitzen klare Vorlieben für bestimmte Gerüche. Wie stark die Geschmäcker dabei variieren, zeigt allein das große Sortiment an unterschiedlichen Parfüms. Und was dem einen gefällt, wirkt auf den anderen abstoßend. Anders, als lange Zeit vermutet, dienen die aufgesprühten Duftnoten möglicherweise aber nicht oder nicht allein dazu, den eigenen Körpergeruch zu überdecken. Einige Beobachtungen sprechen vielmehr dafür, dass sich hinter diesem seit 5000 Jahren praktizierten menschlichen Brauch eine tiefer gehende, wenngleich unbewusste Absicht verbergen dürfte. Laut Manfred Milinski vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön könnte der Sinn der Parfümierung darin bestehen, den Duft des eigenen Immunsystems zu verstärken und dessen Wahrnehmbarkeit somit zu erhöhen. Für eine solche Deutung spricht unter anderem, dass die meisten Menschen der einmal gewählten Duftnote lebenslang treu bleiben.

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Im Tierreich spielt die Fähigkeit, den Geruch des eigenen Abwehrsystems und jenen von Artgenossen zu erkennen, eine buchstäblich entscheidende Rolle bei der Partnerwahl. So paaren sich Mäuseweibchen bevorzugt mit Männchen, deren Immunsystem ihr eigenes ergänzt und den gemeinsamen Nachkommen somit einen bestmöglichen Schutz vor Infektionen liefert. Dieses sensorische Kunststück gelingt den kleinen Nagern - wie im Übrigen etlichen anderen Wirbeltieren -, weil sie bestimmte auf der Zelloberfläche befindliche Eiweißschnipsel, sogenannte Peptide, zu riechen vermögen. Das hat der Immunbiologe Thomas Boehm vom Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg vor einigen Jahren herausgefunden. Die Art und Zusammensetzung der Eiweißschnipsel hängt von der jeweiligen Konstellation des Immunsystems ab. Maßgebend ist dabei das sogenannte MHC-System - eine variantenreiche Gruppe von Immunstoffen, deren Aufgabe darin besteht, Peptide aus dem Zellinnern den patrouillierenden weißen Blutzellen zur „Gesichtskontrolle“ vorzuführen. Abhängig davon, wie das Ergebnis ausfällt - ob das Eiweißbruchstück von eigenen oder fremden Zellen abstammt -, ziehen die Immunwächter entweder beruhigt weiter oder gehen zum Angriff über.

Auch Menschen riechen die Peptide

Unklar war bislang, ob auch Menschen die vom MHC-System präsentierten körpereigenen Peptide wahrnehmen und - noch wichtiger - ob sie darauf reagieren. Anders als Mäuse, Fische und andere Wirbeltiere besitzt der Homo sapiens hierfür nämlich kein eigenes Sinnesorgan. Im Embryonalstadium zwar angelegt, verschwindet das sogenannte Jacobsonsche Organ im späteren Verlauf der Entwicklung aber wieder - jedenfalls ist man davon überzeugt. Umso überraschender sind die jetzt in den „Proceedings of the Royal Society B“ (doi: 10.1098/rspb.2012. 2889) veröffentlichten Entdeckungen von Milinski und Boehm. Demnach können offenbar auch Menschen die einschlägigen Peptide riechen - allerdings nur, wenn sie nicht erkältet sind und nicht rauchen. Hinweise darauf haben die Wissenschaftler in Untersuchungen an 22 Studentinnen erhalten. Anhand von Gentests ermittelten die Forscher zunächst, welche Konstellation von MHC-Molekülen die einzelnen Probandinnen besaßen. Diese Kenntnis erlaubte ihnen dann Rückschlüsse auf die Natur der Duft-Peptide jeder einzelnen Frau. In Abhängigkeit von ihrer Struktur können MHC-Moleküle nämlich nur ganz bestimmte Peptide packen und den Immunwächtern zum Identitätscheck vorlegen. Wie die Wissenschaftler berichten, verwendeten sie als Duftproben zwei häufig vorkommende Duft-Peptide in synthetischer Form.

Die Studentinnen wurden dann an mehreren Tagen angehalten, nach einer ausführlichen Dusche jeweils zwei Testlösungen aufzutragen, und zwar eine in die linke und die andere in die rechte Achselhöhle. Was die Probandinnen nicht wussten: Nur eine der beiden Flüssigkeiten enthielt das jeweils zu prüfende Peptid, die andere war „leer“. Das Ergebnis: Auf die Frage, welcher der beiden Gerüche ihnen mehr gefiele und sie lieber als Parfüm verwenden würden, gaben die meisten Frauen eine klare Antwort. Sie wählten zuverlässig jenen Duft als den besseren, der ihr „eigenes“ Peptid enthielt. Die Lösung mit dem „fremden“ Eiweißschnipsel bewerteten sie hingegen als neutral bis unangenehm. Keine solchen Präferenzen hatten die Raucherinnen und die erkälteten Frauen. In Kooperation mit Forschern der Universität in Dresden fanden Milinski und Boehm ferner heraus, dass das körpereigene Duft-Peptid - und nur dieses - jeweils ganz spezifische Hirnareale aktivierte. Dabei handelt es sich um jene Regionen, die für die Selbsterkennung von Bedeutung sind. In zukünftigen Studien wollen sie nun herausfinden, ob sich der Duft des Immunsystems auch beim Menschen auf die Partnerwahl auswirkt.

Quelle: F.A.Z.

 
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