Das Erbgut menschlicher Embryonen ist zu einem frühen Zeitpunkt der Entwicklung oft voller gravierender Fehler. Mit Hilfe neuartiger Genchips haben niederländische Forscher um Joris Vermeesch vom Universitätshospital in Leiden bei Embryonen im Vier- oder Achtzellstadium zahlreiche Chromosomenanomalien ausgemacht. J
Jede einzelne Zelle eines jungen Embryos wies unterschiedliche Störungen auf. Manchen Chromosomen fehlte ein Stück Erbmaterial, andere waren mit einem Teilstück eines anderen Chromosoms verschmolzen, bei wieder anderen waren Teilbereiche vervielfacht. Die Wissenschaftler verwendeten für ihre Untersuchungen Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entstanden waren. Die Eizellen stammten von jungen Frauen.
Fehlerrate von fünfzig Prozent
Wie die Forscher in "Nature Medicine" (doi: 10.1038/nm.1924) berichteten, waren knapp die Hälfte der Embryonen fehlerhaft. In unbefruchteten Eizellen sowie befruchteten Eizellen, die sich noch nicht geteilt hatten, waren die Chromosomenanomalien nicht aufzufinden.
Die Humangenetiker schließen aus diesem Befund, dass sich die Fehler während der ersten Zellteilungen des Embryos anhäufen. Offenbar können die Chromosomen bei den Teilungsvorgängen in der frühen Entwicklungsphase nicht so leicht auseinander weichen, sie verkleben dann miteinander beziehungsweise brechen ganz auseinander.
Mögliche Erklärung von spontanen Fehlgeburten
Die hohe Rate an Chromosomenanomalien könnte erklären, weshalb spontane Fehlgeburten beim Menschen recht häufig sind. Nur etwa ein Drittel der Befruchtungen im Mutterleib führt zu einer Lebendgeburt.
Fehler oder Chance zur Variation?
Kirstin Minge (KirstinMinge)
- 14.06.2009, 21:55 Uhr
