22.11.2011 · Alkohol, Rauchen, Kopfbälle: All das macht dumm. Doch ist Intelligenz überhaupt das einzige, was uns durchs Leben bringt? Werfen wir einen Blick ins Tierreich: auf Schimpansen, Giraffen und Spatzen.
Von Valentin FrimmerLaster lauern überall. Sie machen unsittlich, dick und doof. Die grauen Zellen trifft es besonders hart. Alkohol macht dümmlich, Rauchen, auch als Krebsursache gefürchtet, ebenso. Kinder verblöden vor dem Fernseher und bei stupid monotonen Computerspielen. Lassen wir die Finger von diesen Sünden, denn doof ist keiner gern. Besser ist, wir verordnen unseren Kindern schlaue Wissensbücher, Französisch im Kindergarten und auf dem Bolzplatz einen Helm. Kopfbälle belasten bekanntlich das Oberstübchen. Und wer später eine Chance haben will, muss früh gefördert werden. Der Druck ist groß im Kampf um Partner, Ruhm und Arbeitsplatz.
Da gilt es schlau zu sein. Besser gesagt: der Schlauste! Die Allerschlausten sind sogar organisiert und haben regen Zulauf. Mensa in Deutschland e.V., ein Verein für Hochbegabte, hat soeben sein 10 000. Mitglied registriert. Dabei darf sich nur zu den Klügsten zählen, wer einen IQ von mehr als 130 hat. Denn darauf kommt es an, ganz oben, auf dem Gipfel der Weisheit. Doch inzwischen ist es seltsam voll dort oben. Auf dem IQ-Olymp herrscht Gedränge. Wen wunderts? Der Weg zu Glück und Wohlstand führt eben immer dort hinauf. Oder etwa nicht?
Wagen wir den tierischen Vergleich: Besonders viel Hirnschmalz haben die Schimpansen. Ihre Gesellschaftsstruktur ist hoch entwickelt, und sie kombinieren schnell. In kürzester Zeit lernen sie, ein neues Werkzeug zu benutzen. Die Giraffe kann das leider nicht. Gäbe es einen IQ-Test für Tiere, das Urteil für den Paarhufer wäre vernichtend: totale Unterbelichtung.
Stören wird sie das aber wenig, denn meist führen schon ein langer Hals, große Ohren oder ein spitzer Schnabel zum entscheidenden Vorteil im Überlebenskampf. Dem Spatz ist sein Spatzenhirn egal, solange er mit seinem Schnabel in engen Ritzen Nahrung findet - Intelligenz hin oder her. Nur selten ist sie der entscheidende Wettbewerbsvorteil. Die Fähigkeiten, die das Überleben sichern, sind doch sehr unterschiedlich. Auch die Vielfalt menschlicher Eigenschaften ist groß: Mut, Geschick und Bauernschläue oder sogar Tücke und Heuchelei. Alternativen zum alleinigen Heilsbringer Hochbegabung gibt es viele. Warum dann nicht der Intelligenzversessenheit entsagen, um als Doofer unter Klugen etwas zu können, das viele verlernt haben: bei einem Glas Wein den Ball ins Kreuzeck zu köpfen. Tor! Man nennt das Lebenskunst.