Home
http://www.faz.net/-gx5-6z216
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Glosse Hundearbeit

 ·  Sogar am Arbeitsplatz haben es Hundebesitzer besser. Vorausgesetzt, sie dürfen ihren Vierbeiner mit in die Firma nehmen. Dann ist Stressabbau angesagt.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Auch wenn man kein Freund der Coaching-Szene ist, wozu sich angesehene Psychologen gerne bekennen, darf man das Wirken der positiven Psychologie keinesfalls unterschätzen. Gerade jetzt, da immer noch alle über das Was-sind-wir-doch-ausgebrannt-Syndrom klagen und im Nachgang dieser kollektiven Erschöpfungsbewegung der Stress zum Leitmotiv täglicher Nebenverrichtungen wird, kann man diese Vokabeln gar nicht oft genug verinnerlichen: Optimismus, Geborgenheit, Vertrauen, Glück. Der Tierschutzbund zum Beispiel, ein untadeliger Verfechter der positiven Tierpsychologie, macht schon seit geraumer Zeit auf den 28. Juni und in diesem Zusammenhang auf die positive Wirkung des „tierischen Schnuppertages“ aufmerksam. Es ist der Tag der mentalen Wellness am Arbeitstag. Der Hund wird für einen Tag „Kollege“ - und zum Stressableiter für den Hundebesitzer.

In der März-Ausgabe des „International Journal of Workplace Health Management“ liefern Forscher der Virginia Commonwealth University dazu das neueste empirische Argumentationsmaterial. In „Replacement“, einer Einzelhandelsfirma in Greensboro mit gut 500 Arbeitnehmern und regelmäßig 20 bis 30 Hunden, hat man den Unterschied quantitativ ermittelt: Im Speichel der Hundehalter und hundeaffiner Kollegen sammelte sich im Laufe eines Arbeitstages klar weniger Stresshormon Cortisol an.

Ein „positiver Austausch“ zwischen Hund und Angestellten wurde konstatiert. Über Gegenanzeigen und Nebenwirkungen ist hingegen nichts bekannt. Beißattacken und Lärmbeschwerden gab es offenbar keine, Hunderivalitäten wurden nicht registriert. Und auch für Hundeskeptiker und sensiblere Kollegen hat man in der Zeit der Studie offensichtlich einen adäquaten Arbeitsplatz gefunden. Überschießende Cortisolkonzentrationen sind jedenfalls nicht festgestellt worden. Wie auch? Wer Hunde in der Firma zulässt, muss ein großes Herz auch für Hundephobiker haben. Für die gilt der dringende Rat der Psychologie zur Konfrontationstherapie. Und wo besser könnte man damit anfangen als im Zwinger. In Greensboro werden während der Arbeitszeit regelmäßig einige frei.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

Jüngste Beiträge

Die Bändigung des Klons

Von Joachim Müller-Jung

Das Klonen von Embryonen muss gezügelt werden. In der Praxis dürfte sich der biotechnische Fortschritt ohnehin als unbrauchbar erweisen. Die Alternativen sind vielversprechend. Mehr 23 60