Home
http://www.faz.net/-gwz-75qoz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Glosse Handhygiene auf dem Campus-WC

Männer waschen sich nach dem Toilettenbesuch seltener die Hände als Frauen, zeigen Studien in Campustoiletten. Aber offenbar ist auch entscheidend, wie viele Semester die Probanden schon studieren.

© dapd

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für Forschung, die wirklich jeden angeht, stellen jetzt Wissenschaftler um Maria Lapinski von der Michigan State University im Magazin „Human Communication Research“ vor. Das Team aus Kommunikationswissenschaftlern, die sich auf die Vermittlung von Gesundheitsrisiken spezialisiert haben, befragte Männer auf dem Uni-Campus in Michigan, wie man es mit dem Händewaschen nach dem Toilettenbesuch halte. Das Ergebnis: Drei Viertel waschen angeblich regelmäßig die Hände. Das fanden die Wissenschaftler zu wenig, sie testeten eine neue Motivationsstrategie. Auf dem Männerklo hängten sie Schilder auf mit dem Text: „Vier von fünf Männern waschen sich die Hände!“ Verdeckte Ermittler im Vorraum der Toiletten registrierten, wie die Männer reagierten. Die Forscher resümieren, die Schilder seien ein voller Erfolg gewesen: Männer, die ihnen ausgesetzt waren, wuschen sich mit größerer Wahrscheinlichkeit die Hände und ließen sogar das Wasser signifikant länger laufen.

Erstsemester waschen häufiger die Hände als Examenskandidaten

Christina Hucklenbroich Folgen:

Derartige Botschaften am stillen Ort seien also ein zukunftsfähiges Konzept für mehr Handhygiene und sukzessive weniger Keime auf Tastaturen und Türklinken. Nun sind die vier amerikanischen Studienautoren nicht die Ersten, die sich an der Handhygiene auf Toiletten abarbeiten. Zuletzt schrieben New Yorker Forscher vor vier Wochen im „American Journal of Infection Control“ nach einer Befragung von dreihundert College-Studenten, dass die Bereitschaft zum Händewaschen mit wachsender Dauer des Studiums sinkt: Erstsemester schrubben demnach noch brav ihre Hände an den Waschbecken der Campusklos, während sie voller Ernst darüber nachdenken, was ihnen die Botschaften an den Innentüren der Kabinen gerade wohl über das Leben, das auf sie wartet, mitgeteilt haben. Junge Erwachsene kurz vor dem Eintritt in die Arbeitswelt sind hingegen, was Toilettenhygiene angeht, längst Zyniker: Wenn sie während einer ihrer Examensklausuren schnell an den stillen Ort eilen, schenken sie Waschbecken und Seifenspender am Ausgang höchstens noch einen mitleidigen Blick.

Und auch diese Studie ergab, dass nur zwei Drittel der Männer, aber fast neunzig Prozent der Frauen sich nach dem Besuch der Toilette die Hände reinigen. Schilder mit subtilen Botschaften sind also nur eine Lösung. Daneben könnte auch eine Frauenquote - vor allem in bisher von Männern dominierten Bereichen, zum Beispiel Vorstandsetagen - dazu führen, dass man in Zukunft einfach sauberer arbeitet.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hugh O’Flaherty Ein Priester als Menschenretter

Der irische Priester Hugh O’Flaherty rettete im deutsch-besetzten Rom 1943/44 mehr als 6500 Menschen aus 25 Nationen vor Verhaftung, Folter und Tod. Er versteckte die Soldaten sowohl im Vatikan als auch in römischen Privathäusern. Mehr Von Peter van Meijl

31.08.2015, 09:32 Uhr | Politik
Chinesische Haft Frauen, die sich für öffentliche Toiletten einsetzten, wieder frei

China hat fünf Frauenrechtlerinnen freigelassen. Die Frauen hatten sich in der Vergangenheit für mehr öffentliche Frauentoiletten eingesetzt und gegen häusliche Gewalt protestiert. Mehr

15.04.2015, 16:53 Uhr | Gesellschaft
Wetzlar Flüchtlinge kritisieren fehlende Toiletten und Wartezeit

Seit Wochen harren sie in der Erstaufnahme aus: Flüchtlinge aus Wetzlar haben am Mittwoch vor dem Zeltdorf gegen ihre Unterbringung protestiert. Sie drohen sogar mit einem Hungerstreik. Mehr

26.08.2015, 18:46 Uhr | Rhein-Main
Flüchtlingspolitik Dramatische Lage in überfülltem Flüchtlingszentrum bei Wien

Minderjährige sind auf sich allein gestellt, Hunderte schlafen unter freiem Himmel, vor Essensausgaben und Toiletten bilden sich lange Schlangen. Die Lage für die Flüchtlinge im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen bei Wien ist dramatisch. Mehr

15.08.2015, 11:57 Uhr | Politik
Ausländische Studenten Im Osten abends nicht allein auf die Straße gehen

Der World University Service berät ausländische Studenten. Weil latenter Rassismus hierzulande wieder öfter in Gewalt umschlägt, schauen die Gäste nun deutlicher hin, wo in Deutschland sie studieren möchten, sagt der Leiter des Deutschen Kommittees. Mehr Von Sascha Zoske

31.08.2015, 13:00 Uhr | Beruf-Chance

Veröffentlicht: 22.01.2013, 13:00 Uhr

Weiches Wissen

Von Ulf von Rauchhaupt

Mehr als die Hälfte aller psychologischen Studien sind nicht reproduzierbar. Das geht sicher besser - aber nicht beliebig besser. Mehr 40 22