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Glosse Auf zur Schule

 ·  Kanadische Wissenschaftler widmen sich der Schulwegforschung und kommen zu dem Schluss: Am gesündesten bewegen sich Stadtkinder aus wirtschaftlich benachteiligten Familien - denn sie sparen den Schulbus und nehmen das Rad.

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Das Häuschen im Grünen schafft man sich ja vor allem der Kinder wegen an. Zumindest ist das eine Sichtweise, die man von an den Stadtrand Verzogenen häufig hört. Bei der Führung durch die Doppelhaushälfte erzählen die Eltern gern, wie gefahrlos die Kinder hier auf der Straße spielen oder mit dem Mountainbike und einem Rudel Gleichaltriger durch den Wald toben können, falls sie sich nicht schon auf dem elastisch vergitterten Riesentrampolin im Garten müde gehopst haben.

Ein Schulweg zu Fuß reguliert das Körpergewicht

Wenn man sich dann auf der neuen Terrasse versammelt, das Baumhaus und den überdachten Sandkasten im Blick, sind selbst eingefleischte Bewohner kindgerechter Hipster-Stadtteile wie dem Prenzlauer Berg oder dem Glockenbachviertel nicht mehr sicher, ob sie nicht den eigenen Lebensstil über die Interessen des Nachwuchses stellen. Für alle diejenigen, die im Wortsinn nicht mitziehen können, wenn die Freunde die Städte verlassen, haben kanadische Wissenschaftler jetzt einen Trost: Sie fanden in einer Langzeitstudie mit 7700 Kindern nicht nur heraus, dass ein Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad das Gewicht der Kinder regulieren hilft.

Darüber hinaus wurde auch deutlich, welche Kinder allmorgendlich Schusters Rappen oder das Fahrrad bevorzugen: Sie leben in der Stadt mit einem alleinerziehenden Elternteil in wirtschaftlich prekären Verhältnissen. Die anderen werden mit dem Auto gebracht oder müssen den Schulbus nehmen – und der ist ohnehin ein Kapitel für sich. Eine härtere Hierarchie als in den frühen Morgenstunden auf den Schotterpisten von Nordvorpommern oder in den Bauerschaften des Münsterlandes ist ja kaum denkbar.

Ob Kinder das Landleben trotz Schulbus schätzen?

In einer explosiven Mischung treffen sie alle hier zusammen: die Gangdrängler, die Hinterbänkler, die Hausaufgabenmacher, die Klassenarbeitspaniker und am empörendsten: die Platzfreihalter. Wer das Landleben wirklich genießt, Eltern oder Kinder, die Frage sollte im Hinblick auf die Soziologie der Schulbusse wirklich noch einmal geklärt werden.

Allerdings ist das Stadtleben nicht unbegrenzt ein Garant für einen vorbildlich gemeisterten Schulweg: Mit etwa zwölf Jahren ziehen sich auch Stadtkinder von Fahrrad und Fußweg zurück. Dann allerdings gibt es auf dem Land ganz andere Probleme: Nichts los, total öde – bis zum Führerschein wird das wohl ein häufiges Thema sein.

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Jahrgang 1978, Redakteurin im Ressort „Natur und Wissenschaft“

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