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Geruchssinn „Ja, wo ist der denn? Such, Mensch!“

18.12.2006 ·  Wenn es um den Geruchssinn geht, kann sich der Mensch im Vergleich zu Tieren nicht brüsten. Doch Versuche haben gezeigt, daß Training zu enormer Verbesserung des Riechvermögens führen kann.

Von Reinhard Wandtner
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Wenn es um den Geruchssinn geht, kann sich der Mensch nicht brüsten. Verglichen etwa mit Maus, Ratte und Hund, ist er das Schlußlicht. Dafür hat man auch eine wissenschaftliche Erklärung gefunden. Der Mensch verfügt nämlich nur über ein recht begrenztes Spektrum von Geruchsrezeptoren. Die Maus und der Hund haben 1.100 bis 1.200 funktionale Gene für derartige Rezeptoren, der Mensch etwa dreihundertfünfzig.

Auch aus der Entwicklungsgeschichte hat man Erklärungen für das nur mäßige Riechvermögen hergeleitet. Demnach ist der Mensch immer mehr zum „Augentier“ geworden, während der Geruchssinn an Bedeutung verlor. Außerdem habe die Nase eine immer kleinere Rolle gespielt, als unsere Vorfahren den aufrechten Gang entwickelten und ihr Riechorgan weit vom Erdboden entfernten.

Menschlicher Geruchssinn besser als angenommen

Möglicherweise hat man sich aber umsonst um Erklärungen bemüht. Neuen Untersuchungsergebnissen zufolge ist der Geruchssinn des Menschen nämlich besser, als weithin angenommen. Im Menschen schlummert gewissermaßen ein Spürhund. Wie eine amerikanisch-israelische Forschergruppe in der Online-Ausgabe von „Nature Neuroscience“ (doi:10.1038/nn1819) berichtet, kommt es darauf an, die brachliegenden Fähigkeiten durch Training zu wecken.

Bislang war unklar, inwieweit Säugetiere beim Erschnüffeln einer Duftspur die von den zwei Nasenhälften wahrgenommenen Eindrücke miteinander vergleichen. Bei Tieren sind entsprechende Experimente schwierig. Neurowissenschaftler um Noam Sobel und Jess Porter von der University of California in Berkeley sind daher nun der Frage nachgegangen, ob sich der Mensch als Versuchsobjekt eignet, zumal er die Anweisungen der Experimentatoren artig befolgt und über seine Erfahrungen berichten kann.

Vergleich in den beiden Nasenhälften

Die Forscher präparierten eine Wiese mit einer zehn Meter langen Duftspur aus Schokoladen-Aroma. Dann setzten sie 32 Studenten auf diese Fährte an. Die Versuchspersonen wurden so präpariert, daß sie nicht hören, sehen und tasten konnten. Zwei Drittel der Probanden konnten die Spur (auf dem Bild als gelbe Linie eingezeichnet) innerhalb von zehn Minuten verfolgen, wobei sie einem Spürhund vergleichbar hin und her schnüffelten (rote Linie). Durch Training ließ sich die Zielsicherheit steigern.

Als man den Versuchspersonen aber ein Nasenloch verschloß, vermochten sie die Spur bei weitem nicht mehr so gut aufzunehmen. Offenbar trägt der Vergleich der in den beiden Nasenhälften eintreffenden Informationen erheblich zur Leistungsfähigkeit des Geruchssinns bei. Wie es zudem scheint, vermag der Mensch den Nachteil, über recht wenige Geruchsrezeptoren zu verfügen, zum Teil durch sein Gehirn auszugleichen, ohne freilich dem Hund Konkurrenz machen zu können.

Quelle: F.A.Z., 19.12.2006, Nr. 295 / Seite 36
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