25.09.2003 · Das Enfant terrible der Genomforschung, Craig Venter, präsentiert zusammen mit seiner Frau und dem "The Institute for Genomic Research" die ersten Ergebnisse der Genomsequenzierung des Haushundes.
Das Enfant terrible der Genomforschung, J. Craig Venter, hinterläßt einmal mehr seine Duftmarke. In der heute erscheinenden Ausgabe der Zeitschrift "Science" (Bd. 301, S. 1898) präsentiert er zusammen mit seiner Frau Claire M. Fraser und der Gruppe um Ewen Kirkness vom "The Institute for Genomic Research" in Rockville/Maryland die ersten Ergebnisse der Genomsequenzierung des Haushundes. Und wer Venter und seine Marotten kennt, ahnt, daß es sich bei besagtem Pudel, der da in der von ihm gegründeten Genomfabrik an der amerikanischen Ostküste sequenziert worden sein soll, eigentlich nur um seinen geliebten und gehorsamen Pudel "Shadow" (Foto) handeln kann. Venter hatte für die Entzifferung des Humangenoms schon Zellmaterial von sich selbst - neben dem von Menschen ethnisch anderer Herkunft - genutzt. Anders als das Erbgut des Menschen freilich ist dasjenige des Hundes nicht einmal annähernd vollständig entziffert. Schätzungsweise vier Fünftel des insgesamt rund 2,4 Millionen Basenpaare umfassenden Genoms sind seit Beginn der Sequenzierung vor etwa einem Jahr erfaßt worden. Damit ist es auch noch deutlich lückenhafter als die Genomsequenz der Maus. Trotzdem hat man nach Überzeugung der Wissenschaftler in dem bruchstückhaften Genprogramm des Pudels durch vergleichende Analysen mit vielen der bisher mehr als 150 publizierten Genomsequenzen erstaunlich viel Informationen gewinnen können. So hat man für knapp 18 500 der bislang 24 500 identifizierten - sogenannten "annotierten" - Gene des Menschen eine entsprechende analoge Erbanlage beim Hund gefunden. Und obwohl die Maus stammesgeschichtlich dem Menschen nähersteht, sind Hund und Mensch auf der genetischen Ebene sehr viel ähnlicher. Das liegt offenbar daran, daß die Mutationsrate im Mausgenom insgesamt doppelt so hoch ist wie die von Hund und Mensch. Mitverantwortlich dafür sind Hunderttausende im Hundegenom entdeckter kurzer Abschnitte, sogenannte konservierte Sequenzblöcke (CSB), die zwischen den eigentlichen Genen liegen und evolutionsgeschichtlich erstaunlich stabil sind.