Craig Venter soll derzeit blendend aussehen. Braungebrannt, trainiert und kein bisschen forschungsmürbe. Eindundsechzig wird er in ein paar Wochen, und wenn man sich die schillernde Spektralanalyse ansieht, die sein ganz persönliches Genom (Abbildung) hergibt, dann könnte man meinen, der amerikanische Genomfabrikant aus Rockville, der vor ein paar Jahren ein Gemisch aus einem halben Dutzend menschlicher Genome entschlüsselt und damit eine ganze akademische Forschergeneration herausgefordert hat, könnte mit dem genetischen Bäumeausreißen gar nie mehr aufhören.
Kein falscher Farbtupfer trübt das Bild seiner sechsundvierzig Chromosomen. So hatte sich der Genompionier das sicher gedacht, als er sein eigenes Erbgut für die zweiunddreißig Seiten lange Abhandlung über die erste „Entschlüsselung einer diploiden menschlichen Genomsequenz“ präparieren ließ. Ein Erbgut, ein Kunstwerk.
Keine Privatsache mehr?
Am Montagabend ist es publiziert und für alle Welt öffentlich zugänglich gemacht worden. Jeder darf darin stöbern, und wer will auch bis zum letzten der 2,81 Milliarden entzifferten Buchstaben des Venterschen Körperbauplans. In dieser ungenierten Plakatierung seines Intimsten sieht er sich einmal mehr auch seinem Intimfeind, dem Doppelhelix-Dechiffrierer James Watson, überlegen, dessen persönliche Genomsequenz vor Wochen aus Angst vor unheilvollen Mutationen im Erbgut teilgeschwärzt veröffentlicht worden war.
Wenn er sich da mal nicht in seinen zahllosen Feinden getäuscht hat. Venters früheres Diktum jedenfalls, nach der die eigene Genomsequenz Privatsache sein sollte, scheint nun einer utilitaristischen Überzeugung gewichen: „Letztendlich“, schreibt er, „wenn mehr ganze individuelle Genome und die dazugehörigen Persönlichkeitsmerkmale erfasst sind, wird das eine Ära in der Erforschung der Individualität einläuten“.
Bis es soweit ist, kann man sich mit dessen faszinierendem genetischen Variantenreichtum beschäftigen. Mehr als 4,1 Millionen kleiner, scheinbar unscheinbarer Genvarianten und -defekte wurden schon entdeckt. Darunter sind, wie Venter berichtet, 750 „einmalige“ Mutationen, die seine 99,5-prozentige englische Abstammung belegen – und nicht weniger als dreihundert identifizierte Krankheitsanlagen. Hautkrebs, Buthochdruck – Venters genealogische Spuren sind genmedizinisch reich vermint. Was seine Gegner wohl noch alles finden werden?
Gendiagnostik…
Hayri Ergun (DrErgun)
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KlaKoWa: Recht auf Gewissheit
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