09.06.2004 · Ein Organismus, der sich an einigen der extremsten Lebensräume der Erde wohl fühlt, ist jetzt von einem Konsortium deutscher Mikrobiologen genetisch entschlüsselt worden.
Ein Organismus, der sich an einigen der extremsten Lebensräume der Erde wohl fühlt, ist jetzt von einem Konsortium deutscher Mikrobiologen genetisch entschlüsselt worden. Das Erbgut von Picrophilus torridus, einem Mikroorganismus aus der Gruppe der Archaeae, enthält lediglich 1,55 Millionen Basenpaare. Es ist damit das kleinste bisher bekannte Genom unter den freilebenden aeroben Mikroben.
Picrophilus war Mitte der neunziger Jahre von deutschen Forschern in japanischen Schwefelquellen entdeckt worden. Sie gedeiht bei rund 65 Grad Celsius und einem rekordverdächtigen Säurewert von annähernd pH-0. Zum Vergleich: Zitronensaft hat einen Säurewert von etwa 2,5, Magensäure von 1 bis 2. Wie die Gruppe um Wolfgang Liebl von der Universität Göttingen und seine Kollegen der Technischen Universitäten Hamburg und Darmstadt in den "Proceedings" der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (Bd. 101, S. 9091) berichten, stammt ein Teil der rund 1500 Gene von entfernt verwandten Mikroorganismen. Von drei Vierteln der Erbanlagen kennt man die Funktion. Unter den restlichen Genen wurden 79 entziffert, die offenbar ausschließlich bei dieser Gattung vorkommen.
Nicht weniger als die Hälfte der noch nicht funktionell beschriebenen Gene, knapp 180, sind offenbar charakteristisch für Mikroben in heiß-sauren Milieus - was nach Ansicht der Forscher dafür spricht, daß es sich bei diesen Lebensräumen um erdgeschichtlich alte ökologische Nischen handelt.