Home
http://www.faz.net/-gx5-74tes
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Genom des Menschen Spuren des Wachstums

Die vergangenen 5000 Jahre prägten das Genom der Menschen. Es hat somit eine junge Vergangenheit, in der auch schädliche Mutationen entstanden, schreiben Forscher in „Nature“.

© dpa Vergrößern Europäer - hier auf dem Oktoberfest - teilen eine Geschichte, die ihre Genetik prägte

Die große Mehrheit der genetischen Varianten, die in der Bevölkerung vorkommen - sogenannte Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs) -, entstammt einer jungen Vergangenheit, berichten Forscher um Wenqing Fu von der University of Washington in Seattle in „Nature“ (doi:10.1038/nature11690). Die Wissenschaftler entzifferten die Gene von 6515 Amerikanern europäischer oder afrikanischer Abstammung; ihre Forschung ist Teil des vom amerikanischen National Institute of Health (NIH) finanzierten „Exome Sequencing Project“.

Schädliche Mutationen

Mehr als eine Million SNPs wurden daraus ermittelt und deren Alter mittels Computersimulation berechnet. Das Ergebnis: 73 Prozent aller SNPs in unserem Genom sind weniger als fünftausend Jahre alt. Der Grund dafür sei der gewaltige Wachstumsschub, den die Menschheit seit jener Zeit erlebt, schreiben die Forscher, und der eine Fülle von neuen genetischen Merkmalen mit sich bringt. Mitunter aber auch schädliche: Die Autoren ordnen etwa vierzehn Prozent aller SNPs als nachteilig ein; sie stehen zum Beispiel mit Erbkrankheiten in Verbindung. 86 Prozent der schädlichen Mutationen seien in den letzten fünftausend Jahren entstanden. Generell seien vor allem Individuen europäischer Abstammung von auffällig vielen nachteiligen SNPs betroffen.

Denn vor etwa 50 000 Jahren verließen sie den afrikanischen Kontinent in begrenzten Kohorten, wodurch sie unter sich ihre Defekte weiter vererbten - der sogenannte „Gründereffekt“. Bei ihren zurückbleibenden Verwandten wirkte im Gegensatz dazu die natürliche Selektion: Durch großangelegte Mischungen wurden die Mutationen effizient eliminiert. Den schädlichen SNPs der letzten fünf Jahrtausende konnte die natürliche Selektion allerdings noch nicht entgegenwirken, schreiben die Forscher - dafür sei es für die menschliche Evolution noch zu früh. Allerdings seien wahrscheinlich auch vorteilhafte Eigenschaften entstanden, die unseren Nachfahren zugutekommen werden.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mondforschung Die jugendlichen Vulkane unseres Nachbarn

Unser Erdtrabant ist womöglich aktiver als gedacht. Darauf deuten markante Flecken auf der Oberfläche der erdzugewandten Seite hin. Mehr Von Jan Hattenbach

26.10.2014, 17:00 Uhr | Wissen
Glückliche Dänen

Warum sind die Menschen im Norden glücklicher als andere? - Weil sie eine genetische Mutation haben, sagen britische Forscher. Zahlreiche Studien und Untersuchungen legen die Vermutung nahe, das Länder, die weit weg sind von Dänemark, auch weiter weg sind vom Glück. Mehr

14.10.2014, 16:42 Uhr | Gesellschaft
Die Welt der Insekten Gesellige Heuschrecken hören schlechter

Wanderheuschrecken treten meist in Schwärmen auf. Im jungen Alter krabbeln sie häufig einzeln umher. In dieser Lebensphase reagieren sie auch wesentlich sensibler auf Gefahren. Mehr Von Diemut Klärner

28.10.2014, 10:31 Uhr | Wissen
Zigarettenkippen als Energiespeicher

Südkoreanische Forscher haben eine Methode entwickelt, aus den nikotinverfärbten Stummeln Kohlefasern für Superkondensatoren herzustellen. Mehr

08.09.2014, 12:50 Uhr | Wissen
Aktuelle Studie Frührentner leben kürzer

Wer früher in Rente geht stirbt auch früher. Das hat eine Studie zweier deutscher Forscher ergeben. Die Rentenkassen werden also geringer belastet als bisher angenommen. Mehr Von Axel Wermelskirchen

17.10.2014, 12:59 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.01.2013, 07:00 Uhr

Antibiotika-Notstand in der Medizin

Von Joachim Müller-Jung

Immer mehr Antibiotika werden unwirksam, die Opferzahlen steigen seit Jahren. Und der Bundesminister? Der tut bestürzt und pflegt die politische Tradition: im Hintergrund bleiben. Mehr 2 83