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Genforschung Auf der Spur des Menschlichen

 ·  Fahndungserfolg im Erbgut: Ein Gen für die Hirnentwicklung. Dem Unterschied zwischen Mensch und Tier auf der Spur, scheint man dem typisch Menschlichen etwas nähergekommen zu sein.

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Wenn man nach dem entscheidenden Unterschied zwischen Mensch und Tier fahndet, schweift der Blick unweigerlich zum Gehirn. Biologisch betrachtet ist es vor allem die hochentwickelte Großhirnrinde, durch die sich die Gattung Homo von den anderen Primaten abhebt. Dieser Unterschied muß genetisch fixiert sein, und daher suchen viele Forschergruppen nach "typisch menschlichen" Merkmalen im Genom.

Auf eine heiße Spur sind nun amerikanische, belgische und französische Wissenschaftler gestoßen. Sie identifizierten eine Erbanlage, die sich bei der zum Menschen führenden Entwicklungslinie auffallend schnell und stark verändert hat. Dieses Gen wird während der Embryonalphase aktiv und greift dabei in die Entwicklung der Großhirnrinde ein.

In der Evolution auffallend schnell verändert

Im Gegensatz zu etlichen anderen Forschergruppen haben sich die Biowissenschaftler um Katherine Pollard und Sofie Salama von der University of California in Santa Cruz bei ihrer Suche nicht auf Gene beschränkt, die in Proteine übersetzt werden. Vielmehr galt ihr Interesse jenen Sequenzen im Genom, die sich in der Evolution des Menschen auffallend schnell verändert haben. Dabei stießen sie auf 49 sogenannte Hars (human accelerated regions), die fast alle in nicht für Proteine kodierenden Bereichen liegen.

Die dramatischste Veränderung weist Har1 auf, eine 118 Bausteine (Basenpaare) umfassende Sequenz, die im Verlauf der Evolution ansonsten recht stabil geblieben ist. Beim Menschen finden sich dort 18 Abweichungen. Zu erwarten wären rechnerisch nur 0,27 gewesen, wie die Forscher in der heutigen Online-Ausgabe der Zeitschrift "Nature" berichten.

Har1 gehört zu einem Gen, das in Ribonukleinsäure, aber nicht in ein Protein überführt wird. Es ist während der 7. bis 19. Schwangerschaftswoche aktiv, und zwar in sogenannten Cajal-Retzius-Neuronen der sich entwickelnden Großhirnrinde. Wenigstens aus molekularbiologischer Sicht scheint man somit dem typisch Menschlichen etwas nähergekommen zu sein.

Quelle: R.W. / F.A.Z., 17.08.2006, Nr. 190 / Seite 34
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