11.08.2005 · Mexikos Kulturgut - der Mais - war in der Vergangenheit in Verruf geraten. Angeblich habe er Fremdgene enthalten. In neueren Untersuchungen haben Forscher kein fremdes Erbmaterial mehr gefunden. Offenbar sind die Transgene wieder verschwunden.
Von Barbara HobomEin kostbarer mexikanischer Schatz, der heimische Mais, scheint nicht von fremdem Erbgut bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt eine amerikanisch-mexikanische Forschergruppe, die in den mehr als hundertfünfzigtausend untersuchten Maiskörnern von lokalen Feldern kein genetisches Material transgener Kulturpflanzen gefunden hat.
Ihre Untersuchungen beziehen sich auf die Ernten der Jahre 2003 und 2004 in einem bestimmten Distrikt der Provinz Oaxaca. Ganz anders sah die Situation im Jahr 2000 aus. Damals hatte ein anderes amerikanisch-mexikanisches Forscherteam Fremdgene von gentechnisch veränderten Maissorten in Maiskörnern von Feldern in Oaxaca gefunden.
2000 und 2001 fremde Gene im Mais
Die Wissenschaftler hatten ihre Ergebnisse in der Zeitschrift „Nature“ publiziert. Ihre Beobachtungen hatten seinerzeit für große Aufregung gesorgt. Die Entdeckung von fremdem Erbmaterial in heimischem Mais wog um so schwerer, als der Anbau transgener Pflanzen in Mexiko nicht erlaubt ist. Mexiko ist die Wiege des Mais, und nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele lokale Varianten dieser Pflanze. Sie werden von den heimischen Bauern angebaut und zur Verbesserung auch miteinander gekreuzt.
Das seit 1998 bestehende Moratorium zum Anbau transgener Pflanzen zielt daher vor allem darauf ab, die große natürliche Vielfalt des Mais vor fremden Genen zu schützen. Um sich zu überzeugen, daß sich in heimischem Mais tatsächlich vereinzelt fremde Gene eingeschlichen hatten, hatten damals drei Institutionen der mexikanischen Regierung in Maiskörnern aus derselben Region ebenfalls nach transgenem Erbmaterial gesucht, und zwar das Nationale Institut für Ökologie, die Nationale Kommission für Biodiversität sowie die Interministerielle Kommission für die Biologische Sicherheit. Alle drei Gruppen wiesen in lokalem Mais aus den Jahren 2000 und 2001 in geringen Mengen transgenes Erbmaterial nach.
Nur Vortäuschung?
Wie die fremden Gene in die Maisproben gelangten, blieb rätselhaft. Es herrschte die allgemeine Auffassung vor, daß das fremde Erbmaterial von aus den Vereinigten Staaten stammendem transgenen Mais stammte, der dort in riesigen Mengen angebaut wird. Mexiko importiert aus den Vereinigten Staaten im Jahr mehrere Millionen Tonnen Mais für Nahrungsmittel und Futter, und zwar sowohl konventionellen als auch transgenen Mais.
Es gab Hinweise, daß manche Landwirte, möglicherweise unbewußt, amerikanischen transgenen Mais angepflanzt hatten. Von diesem scheint genetisches Material in lokale Sorten eingekreuzt worden zu sein. Außerdem könnten sich nach Ansicht der Wissenschaftler in dem gepoolten Erntegut auch Körner von transgenem amerikanischen Mais befunden haben, die eine Anwesenheit fremder Gene in heimischem Mais nur vorgetäuscht haben könnten.
Keine Fremdgene gefunden
Weil die über Jahrtausende gewachsene Vielfalt des mexikanischen Mais ein unersetzliches Kulturgut für das Land bedeutet, ist das mexikanische Nationale Institut für Ökologie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Evolution, Ökologie und Biodiversität der Ohio State University nun noch einmal der Frage nach Transgenen in Maiskörnern Oaxacas nachgegangen.
Wie die Wissenschaftler um A. Snow in der aktuellen Early Edition der „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaftler berichten, haben sie von den Ernten der Jahre 2003 und 2004 insgesamt 153.746 Maiskörner analysiert, die von 870 Pflanzen von 125 Feldern in 18 Regionen Oaxacas stammten. Sie zermahlten jeweils mehrere tausend Körner eines Feldes und suchten dann mit dem üblichen PCR-Verfahren (Polymerasekettenreaktion) nach zwei Sorten fremden Erbmaterials. In keiner einzigen Probe konnten sie Fremdgene finden. Sie wollen die früheren Beobachtungen ihrer Kollegen jedoch nicht grundsätzlich in Frage stellen.
Staatlicher Schutz
Sollte der heimische Mais vor drei Jahren tatsächlich fremdes Erbmaterial aufgenommen haben, so haben sich die Transgene offenbar nicht durchgesetzt und sind wieder verschwunden. Die Regierung hatte die Landwirte nach dem Auffinden fremder Gene im Mais seinerzeit intensiv über das bestehende Moratorium aufgeklärt, das den Anbau transgener Pflanzen verbietet.
Dies könnte ein weiterer Grund dafür sein, daß man in den darauffolgenden Jahren kein fremdes Erbmaterial mehr in Maiskörnern fand. Um das Kulturgut Mais bestmöglich zu schützen, hat die mexikanische Regierung inzwischen ein Gesetz erlassen, das den heimischen Mais und andere Pflanzen, deren Heimat Mexiko ist, in besonderer Weise vor dem Einkreuzen fremder Gene schützt.
Hybridmais ?
K Zinser (klaus_zinser)
- 15.08.2005, 15:50 Uhr