08.01.2001 · Stammzellen sind die Urzellen jedes Lebewesens. Teilt sich eine befruchtete Eizelle, entstehen Tochterzellen, die sich später zu rund 200 verschiedenen Zellarten des menschlichen Körpers entwickeln.
Stammzellen sind die Urzellen jedes Lebewesens. Teilt sich eine befruchtete Eizelle, entstehen Tochterzellen, die sich später zu rund 200 verschiedenen Zellarten des menschlichen Körpers entwickeln. Diese „Alleskönner“ gibt es jedoch nur in den ersten Runden der Zellteilung. Je öfter sich die embryonalen Zellen teilen, desto mehr verlieren sie die Fähigkeit, sich in alle anderen Zellen zu verwandeln. Wie auf einer Einbahnstraße schlagen sie nur einen Weg ein, um eine Leber-, Nieren- oder Hautzelle zu werden.
Auch beim erwachsenen Menschen gibt es Stammzellen. Sie finden sich in allen Körpergeweben und dienen dazu, Gewebe und Organe bis zu einem gewissen Grade zu erneuern. Knochenmarkszellen regenerieren beispielsweise ständig das Blut eines Menschen. Gewebe-Stammzellen werden in der Medizin schon lange genutzt. So teilen sich transplantierte Knochenmarkszellen und bauen bei Patienten mit Blutkrebs das Knochenmark neu auf.
Baustein für jedes Gewebe
Embryonale Stammzellen sind deshalb für die Forschung von besonders großem Reiz, weil man aus ihnen im Prinzip jedes Gewebe und alle Organe züchten könnte. Es kommt nur darauf an, mit welchen Wachstumsfaktoren und Hormonen man die Zelle versorgt, um einen bestimmten Zellentyp zu erhalten. Noch sind aber nur wenige dieser Faktoren bekannt. Sollte es gelingen, die Zellen gezielt zu differenzieren, hoffen Forscher, chronisch kranke Organe auf diesem Wege zu verjüngen. Bei Mäusen ist es schon gelungen, mit nachgezüchteten Herz-Zellen eine Herzschwäche zu lindern. Ob allerdings die Züchtung ganzer Organe jemals gelingen kann, ist sehr unsicher. Organe bestehen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Zellen, die miteinander wirken.
Therapeutisches Klonen könnte Transplantationen erleichtern
Viele Forscher hoffen beim therapeutischen Klonen vor allem darauf, die Abwehrreaktionen umgehen zu können, mit denen der Körper bisher auf fremd-transplantierte Organe reagiert. Dazu würde man aus einer befruchteten menschlichen Einzelle den Kern entfernen und durch den Zellkern des Patienten ersetzen. Das Gewebe entspräche dem des Patienten und trüge keine Merkmale, die die Immunabwehr des Patienten aktivierten. Das Immunsystem würde es als körpereigen akzeptieren, so die Theorie. Forscher denken daran, auf diese Weise Bauchspeicheldrüsen von Diabetes-Kranken mit frischen insulinbildenden Zellen zu besiedeln, erschlaffte Herzmuskeln zu stärken oder mit nachgezüchteten Nervenzellen die zerstörten Gehirnfunktionen bei Alzheimer- und Parkinsonkranken wieder herzustellen.
Noch sind alle diese Pläne aber Zukunftsmusik. Niemand rechnet wirklich damit, dass ein Mensch, der heute an Parkinson oder Alzheimer erkrankt ist, noch mit den neuen Methoden behandelt werden könnte. Denn keine der Methoden hat bisher das Stadium der Anwendbarkeit erreicht. Zwar kann man schon Herzzellen beobachten, die sich unter dem Mikroskop rhythmisch zusammenziehen. Ein funktionierendes Herz hat aber noch niemand geschaffen.