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Beschneidungsdebatte Amerika sieht Vorteile in der Beschneidung

Im Für und Wider um die Beschneidung von Jungen melden sich nun amerikanische Kinderärzte zu Wort: Sie sehen viele Vorteile in der Entfernung der Vorhaut bereits bei Kindern.

© dpa Rituell: Beschneidungsbesteck in der israelitischen Kultusgemeinde in Hof

Der Berufsverband der Kinderärzte in den Vereinigten Staaten, die American Academy of Pediatrics, hat seine Haltung zur Beschneidung von Knaben revidiert. Eine am Montag in der Verbandszeitschrift „Pediatrics“ veröffentlichte Untersuchung der neueren Literatur kommt zu dem Ergebnis, dass die medizinischen Vorteile gegenüber den Risiken überwiegen.

Patrick Bahners Folgen:

Geringere Ansteckungsgefahr

Die 2005 bekräftigte Stellungnahme aus dem Jahr 1999 hatte ein Gleichgewicht von Vor- und Nachteilen festgestellt. Nach heutigem Wissensstand, heißt es nun in dem mit der Standesorganisation der Gynäkologen, dem American College of Obstetricians and Gynecologists, abgestimmten “policy statement”, senke die Beschneidung die Risiken der Ansteckung mit HIV, Herpes, humanen Papillomaviren und Syphilis. Beschnittene Männer erkrankten seltener an Peniskrebs, für ihre Geschlechtspartnerinnen sinke die Gefahr des Gebärmutterhalskrebses. Im ersten Lebensjahr komme es seltener zu einer Harnwegsinfektion. Negative Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit des männlichen Gliedes, wie sie in der volkstümlichen Beschneidungskritik beschworen werden, seien nicht belegt. Ausgebildete Fachkräfte sollen die Operation mit Narkose vornehmen; das können auch „traditionelle religiöse Anbieter“ sein.

Mehr zum Thema

Nein zur Zwangsbeschneidung

Die Akademie hebt die Bedeutung religiöser Empfindlichkeiten hervor. Gegenüber der deutschen Diskussion ergibt sich ein seitenverkehrtes Bild: Aus Rücksicht auf Eltern, die aus religiösen Gründen die Prozedur nicht wünschen, sehen die Kinderärzte davon ab, sie für jedes männliche Neugeborene zu empfehlen.

Quelle: F.A.Z.

 
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