26.07.2006 · In China beklagt man Ertragseinbußen bei Baumwolle. Gentechnisch veränderte Pflanzen haben den wichtigsten Schädling - die Baumwollkapselraupe - resistent gemacht. Jetzt wird ein noch höherer Einsatz von Pestiziden notwendig.
Chinesische Landwirte haben in der jüngsten Zeit erhebliche Einbußen beim Anbau insektenresistenter Baumwolle zu verzeichnen. Diese widersteht durch einen gentechnischen Eingriff dem wichtigsten Baumwollschädling, der Baumwollkapselraupe. Die Baumwolle bildet in ihren Blättern ein Gift des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis, an dem die Raupen nach dem Fressen zugrunde gehen.
China war eines der ersten Länder, das die neue Baumwollsorte großflächig anbaute. In den ersten Jahren erzielten die Bauern einen um 36 Prozent höheren Gewinn als ihre Kollegen mit dem Anbau konventioneller Baumwolle. Doch wie Per Pinstrup-Andersen von der Cornell University unlängst auf einem Kongreß der American Agricultural Economics Association in Long Beach (Kalifornien) ausführte, begann der Gewinn nach drei Jahren zurückzugehen und liegt inzwischen unter dem der Bauern mit konventionellem Anbau.
Bis zu zwanzigmal Pestizide spritzen
Die Ursache liegt in nachrückenden Schädlingen, gegen die das Bakterientoxin nicht wirkt. Um diese zu bekämpfen mußten die Landwirte bis zu zwanzigmal Pestizide spritzen, was ihre Gewinnmarge erheblich schmälerte. In anderen Ländern, die ebenfalls Bt-Baumwolle in großem Maßstab anbauen, vor allem in Nordamerika und Indien, haben sich noch keine sekundären Schädlinge breitgemacht. Das hängt vermutlich, wie Pinstrup-Andersen meint, mit der Tatsache zusammen, daß es zumindest in den Vereinigten Staaten von Amerika Vorschrift ist, zwischen den Feldern mit insektenresistenter Baumwolle als Rückzugsgebiet für Insekten Flächen mit Pflanzen ohne eingebaute Resistenz anzulegen.
Das soll vor allem die Entwicklung resistenter Insekten verhindern. Wie das Beispiel in China zeigt, verhindern diese Flächen offenbar aber auch, daß sich andere Schädlinge auf den Feldern breitmachen, auf denen sie nicht mehr auf ihren wichtigsten Konkurrenten treffen. Die Wissenschaftler waren sich auf der Tagung einig, daß nun erforscht werden müsse, auf welche Weise man auch in China die Baumwolle am besten vor nachrückenden Schädlingen schützen könne.