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Babyernährung Die Mühsal mit der Muttermilch

Frauen, die ihr Baby nicht stillen, gelten schnell als Rabenmütter. Doch nicht alle sind zum Stillen in der Lage. Sie sollten sich nicht verunsichern lassen.

© picture-alliance/ dpa Vergrößern Stillen wird in Deutschland mittlerweile als alternativlos angesehen.

In Zeiten der Prohibition hat der Schmuggel Konjunktur. Das ist sogar in Geburtskliniken so. „Ich habe von Leuten gehört, die es einfach schwarz gemacht haben“, erzählt Carla Brandt (Name geändert) und klingt ein bisschen bewundernd. „Die haben Fläschchen mit Fertigmilch auf die Station geschleust, damit sie ihr Baby endlich satt bekommen.“ Sie selbst hätte sich so was nicht getraut. Obwohl ihre eigene Muttermilch nicht für die Zwillinge reichte.

Aber das Zufüttern aus der Flasche war an der Klinik tabu. Es könnte den Saugreflex verderben. Also bekamen die Babys einen Finger in den Mund gesteckt und dazu eine Plastikspritze, mit der die industriell hergestellte Säuglingsmilch injiziert wurde. „Finger-Feeding“ nennt sich die Methode. Seriöse Stillverbände raten davon ab, weil der Gaumen von Neugeborenen viel zu zart für harte Erwachsenenfinger ist. Aber dieses Krankenhaus galt ja als seriös. Es war eines, das die Frauen beim Stillen unterstützte.

Stillen als sinnvollste Ernährungsart

Bloß hatte Carla sich das anders vorgestellt. Fürsorglicher irgendwie. Stattdessen hatte sie das Gefühl, ihre Kinder zu quälen. „Zu Hause mussten wir noch über einen Monat lang zufüttern. Weil unsere Hebamme ebenfalls von Fläschchen abriet, machten wir es weiter so: alle drei Stunden tags und nachts Kinder anlegen, auch wenn sie schliefen. Dann Milch anrühren, die vorgeschriebene Menge in die Kinder hineinstopfen. Was trotz aller Bemühungen nicht immer klappte. Das Finger-Feeding übernahm komplett mein Mann. Für mich war es die reine Folter.“

Carla Brandt kennt ähnliche Geschichten aus dem Bekanntenkreis. Von Frauen, die wenige Tage nach einer Extremgeburt im Zweistundentakt die Pumpe anlegen, um den Milchfluss anzuregen, ohne Erfolg. Von rigorosen Stillplänen, die die Frauen dazu zwingen, ihr Baby immer wieder aus dem Schlaf zu reißen, obwohl es gar nicht trinken will. Von Müttern, deren Neugeborene schreien und schreien, weil sie womöglich nicht satt werden, was allerdings nicht zu erfragen ist. Von Frauen, die das mit dem Stillen einfach nicht hinbekommen.

Solche Fälle sollten nach herrschender Meinung kaum vorkommen. Stillen gilt bei weitem als sinnvollste Art, sein Kind zu ernähren. Angeblich ist es auch jene, die am wenigsten Probleme bereitet. Das zumindest vermitteln die Informationsblätter einschlägiger Institutionen, die sich in Deutschland ums Stillen kümmern.

„Jede Frau kann stillen“

„Die große Mehrheit der Frauen ist in der Lage, ihr Baby voll zu stillen“, heißt es etwa auf einem Infoblatt der La Leche Liga, einer der ältesten Stillorganisationen der Welt, die auch Mitglied in der Nationalen Stillkommission (NSK) am Bundesinstitut für Risikobewertung ist. „Jede Frau kann stillen“, verrät der Flyer des Sankt Joseph Krankenhauses in Berlin, das bundesweit die meisten Neugeborenen pro Jahr verzeichnet und als erstes Krankenhaus das Stillzertifikat „babyfreundlich“ von der Weltgesundheitsorganisation und von Unicef erhielt. „Jede Mutter bildet nach der Geburt reichlich Milch, unabhängig von den Umständen“, verlautbart die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS), gegründet 1980 in Nordrhein-Westfalen und ebenfalls zur Nationalen Stillkommission gehörig. Auch der Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen weiß: „Nur in Ausnahmefällen ist das Stillen nicht oder nur eingeschränkt möglich.“ Aber auch das sei kein Problem: „Große und kleine Stillhindernisse können meist schnell gelöst werden.“

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