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Archäologie Neandertaler lebten länger

14.09.2006 ·  Funde in einer Höhle in Gibraltar bringen überraschende Erkenntnisse über die Neandertaler. Sie zeigen, daß die frühen Bewohner Europas einige tausend Jahre länger gelebt haben als bisher angenommen.

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Forscher haben in Gibraltar möglicherweise den letzten Zufluchtsort des Neandertalers entdeckt. In der Höhle von Gorham fanden sie Knochen und Werkzeuge. Dies seien die bislang jüngsten bekannten Hinweise auf den Urmenschen, schreibt die Gruppe um Clive Finlayson vom Gibraltar-Museum im Journal „Nature“. Die Neandertaler hätten am südlichen Zipfel der iberischen Halbinsel wahrscheinlich bis vor 28.000 Jahren gelebt - und damit viel länger als bislang angenommen.

Möglicherweise sei der letzte Neandertaler in der Umgebung der Höhle sogar erst vor 24.000 Jahren verschwunden, ergänzen die Forscher vorsichtig. Diese Zahl scheine nach den Funden möglich, sei aber nicht exakt zu belegen. Bei ihren Untersuchungen gruben die Experten sich tief in der Höhle auf einer Fläche von rund 30 Quadratmetern durch die in Jahrtausenden angesammelten Schichten.

Typische Werkzeuge und Tierknochen entdeckt

Sie entdeckten unter anderem zahlreiche für Neandertaler typische Werkzeuge und viele Tierknochen. Diese weisen Schnitt- und andere Spuren von Steinklingen auf. Viel spreche dafür, daß die Tiere von außerhalb in die Höhle gebracht und dort zerlegt wurden, berichten die Wissenschaftler, die das Alter zahlreicher Funde mit umfassenden Analysen belegen. Die Entdeckung liefere weitere Hinweise darauf, daß sich Neandertaler und die Vorfahren des heutigen Menschen in Europa auf der iberischen Halbinsel getroffen haben, schreibt die Gruppe in „Nature“.

In der vielgestaltigen Umgebung der Höhle - dort gab es Feuchtgebiete, die Küste, Felsen und Grasland - hätten die Neandertaler zahlreiche Pflanzen und Tiere für ihre Ernährung finden können, schreiben die Forscher. Diese günstigem Umstände hätten ihm das lange Überleben womöglich erleichtert. In Gibraltar gab es bereits mehrere Neandertaler-Funde, der erste datiert aus dem Jahr 1848. In einem begleitenden Text schreibt Katerina Harvati vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, daß die Rolle der Region als wichtiges Refugium für den Urmenschen mit dem Fund erneut bestätigt wurde.

Sollten die Neandertaler sogar bis vor 24.000 Jahren überlebt haben, werfe das zugleich ein neues Licht auf das so genannte Kind von Lagar Velho, das in Portugal gefunden wurde. Sein Alter wird auf 24.500 Jahre geschätzt. Weil das jugendliche Skelett sowohl Merkmale des modernen Menschen als auch des Neandertalers zeigt, vermuten viele Forscher, daß es sich möglicherweise um eine Kreuzung zwischen beiden handeln könnte. Bislang wurde das auch deshalb in Zweifel gezogen, weil angenommen wurde, daß der Neandertaler dafür zu früh ausgestorben war. Die neuen Daten ließen dies aber möglich erscheinen, erklärt Harvati.

Quelle: FAZ.NET mit Material von DPA
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