14.08.2008 · Wenn schadhafte Proteine nur noch schleppend entsorgt werden, dann hat eingesetzt, was wir als Alterungsprozesse kennen. Nun haben amerikanische Forscher an Mäusen gezeigt, wie sie sich genetisch bremsen lassen.
Von Nicola von LutterottiDer natürliche Alterungsprozess beruht offenbar maßgeblich auf dem schleichenden Wirkungsverlust eines Eiweißstoffs, der schadhafte Proteine zur zellulären Mülldeponie befördert. Er scheint sich jedenfalls merklich hinauszögern zu lassen, wenn die gleichsam am Pensionsalter angelangten zellulären Abfallentsorger – die Rede ist von sogenannten Chaperonen des Typs Hsc70 – von jüngeren molekularen Mitarbeitern Unterstützung erhalten. Zu diesem Schluss kommen jedenfalls Cong Zhang und Ana Maria Cuervo von der Abteilung für Entwicklungsbiologie am Einstein College in New York aufgrund von Beobachtungen an Tieren.
Bereits in früheren Untersuchungen hatten die Forscher eine Erklärung dafür gefunden, weshalb die für die Beseitigung von Zellmüll zuständigen Chaperone mit dem Alter an Effizienz einbüßen. Demnach bleiben die Abfalltransporteure mit der Zeit zunehmend auf dem Unrat sitzen, weil wichtige Handlanger an der Oberfläche der zellulären Mülldeponien – Rezeptoren namens Lamp-2A – altersschwach werden und die Abfallentsorgung somit nur noch schleppend vorankommt. Die Anhäufung von Zellabfällen wird schon seit langem verdächtigt, am Alterungsprozess maßgeblich mitzuwirken, diesen möglicherweise sogar in Gang zu bringen.
Unterstützung für die Chaperon-Gehilfen
In ihrer jüngsten Studie sind die New Yorker Wissenschaftler nun der Frage nachgegangen, ob einzelne Organe von Mäusen länger jung bleiben, wenn man den altersbedingten Erschöpfungszustand der Lamp-2A-Rezeptoren behebt. In die Leber von Mäusen schleusten sie hierzu ein Gen ein, das sich bei Bedarf anschalten ließ und dann neue Rezeptoren herstellte. Ziel der Maßnahme war es, den erschöpften Chaperon-Gehilfen jüngere, noch unverbrauchte Exemplare zur Seite zu stellen.
Die Rechnung ging offenbar auf. Wie die amerikanischen Forscher in der aktuellen Online-Ausgabe der Zeitschrift „Nature Medicine“ berichten, konnten sie bei rechtzeitiger Aktivierung des zusätzlichen Gens die Alterung des Lebergewebes nachhaltig hinauszögern. Als richtiger Moment erwies sich dabei jener Zeitpunkt, an dem die Lamp-2A-Rezeptoren kurz davor sind, an Leistungsfähigkeit einzubüßen. Hatte der Alterungsprozess schon eingesetzt, besaß die Einschaltung des Rezeptorgens zwar ebenfalls noch verjüngende Wirkung, allerdings nicht mehr in gleichem Ausmaß.
Unterschiedlich gealterte Organe
Was den Erfolg der Gentherapie auf molekularer Ebene anging, enthielten die Lebern der genetisch veränderten Nager unter anderem merklich geringere Mengen an oxidierten und damit chemisch besonders aggressiven Proteinen als jene der unbehandelten Mäuse gleichen Alters. Darüber hinaus waren bei ihnen viel weniger Leberzellen geschädigt oder ganz zerstört. Diese und weitere heilsame Wirkungen der Gentherapie hatten zur Folge, dass die Leberfunktion bis ins hohe Mäusealter hinein jugendlich blieb. Den anderen, nicht behandelten Organen der Mäuse kam die Verjüngungskur aber nicht zugute. Weitere Untersuchungen müssen nun zeigen, ob beim Menschen ähnliche Prozesse für den altersbedingten Funktionsverlust der Organe verantwortlich sind und ob sie sich ebenso verlangsamen lassen wie bei der Maus.
Es waere schoen ...
Frank Geiser (geiser123)
- 17.08.2008, 23:28 Uhr