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Alte Menschen Mit hundert hat man noch Träume

Immer mehr Menschen werden uralt. Was ist ihr Geheimnis? Sind es die robusten Gene, das sonnige Gemüt, das gesunde Essen? Oder doch der kleine Schnaps und die tägliche Zigarette? Die Wissenschaft sucht Antworten.

© Karsten Thormaehlen Vergrößern Hildegard Hermanski, geboren am 9. März 1907, Hausfrau

Es klang wie ein todsicheres Geschäft. Nur für André-François Raffray wurde es keines. 1965 hatte der französische Notar die Wohnung seiner Klientin Jeanne Calment in der Altstadt von Arles gegen Zahlung einer monatlichen Leibrente von 2500 Franc erworben. Eine Investition ohne größeres Risiko, schließlich war sie damals schon neunzig Jahre alt. Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit hätte sie noch zwei, drei schöne Jahre vor sich gehabt. Aber die gingen ins Land, und Raffray wurde nicht jünger. Als er dreißig Jahre später mit 77 dahinschied, war Jeanne Calment immer noch am Leben. Erst 1997 segnete sie das Zeitliche, mit 122 Jahren auf dem Buckel. Das gilt als höchstes amtlich beglaubigtes Alter, das je ein Mensch erreicht hat.

Besonders hinfällig zeigte sich die Rekordinhaberin bis zuletzt nicht: „Ich habe in meinem ganzen Leben nur eine einzige Falte gehabt“, pflegte sie zu sagen, „und auf der sitze ich jeden Tag.“

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Der Bundespräsident ist allmählich überfordert

Wie viel Zeit Gertrude Baines noch vergönnt ist, wissen nur die Götter. Am 6. April ist sie 115 geworden und damit aktuell der älteste Mensch auf Erden. Mit ihrer Gesundheit geht es ein wenig bergab. Wenn man sie in ihrem Altersheim bei Los Angeles besucht, kann sie auch die ewig gleichen Fragen nicht mehr hören: Wie haben Sie das gemacht? Was ist Ihr Geheimnis? „Fragen Sie doch den da oben“, sagt sie.

hundert Jonig © Karsten Thormaelen Vergrößern Walter Jonigkeit, geboren am 24. April 1907, hat Berliner Kinogeschichte geschrieben. Sein erstes Lichtspielhaus eröffnete er 1932

Nicht nur Gerontologen würden es gern genauer wissen. Wie wird man hundert Jahre und älter? Sind es die robusten Gene? Das sonnige Gemüt? Das gesunde Essen? Oder doch der kleine Schnaps und die tägliche Zigarette, die sich der Schauspieler Johannes Heesters acht Jahrzehnte lang gönnte, bis er im Alter von 103 nach einer Erkältung vorübergehend das Rauchen aufgab?

Sicher ist eines: Die Uralten werden mehr. Zahlen sind zwar selbst in Deutschland mit Vorsicht zu genießen - das Statistische Bundesamt weist diese Altersgruppe wegen zu kleiner Fallzahlen nicht mehr gesondert aus. Den besten Überblick hat wahrscheinlich noch der Bundespräsident. Aber auch der ist allmählich überfordert.

Neue Rezepte für ein langes Leben

Heinrich Lübke gratulierte jedem Deutschen vom hundertsten Geburtstag an mit einem persönlich gehaltenen Schreiben; rund zweihundertmal pro Jahr musst er Mitte der Sechziger zum Füllhalter greifen. Zwanzig Jahre später kamen unter Richard von Weizsäcker schon zehnmal so viele Bundesbürger zu Ehren. Johannes Rau kapitulierte beim Stand von fünftausend, und so wurden die Glückwünsche zwischen dem 100. und dem 104. Geburtstag ebenso gestrichen wie die kleine präsidiale Aufmerksamkeit von 150 Euro. Im vergangenen Jahr verschickte das Bundespräsidialamt 5914 Gratulationen. Rechnet man den Trend hoch, könnte sich diese Zahl innerhalb der nächsten vierzig Jahre verzehnfachen.

Das hat zunächst rein statistische Gründe: Die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1965 kommen nach und nach ins Greisenalter. Und sie bringen beste Voraussetzungen mit: Von Kindesbeinen an haben sie weder Hunger noch Krieg gekannt, lebensbedrohliche Krankheiten haben sie dank des medizinischen Fortschritts besser überstanden als ihre Vorfahren. Trotzdem wird auch von ihnen nur ein Bruchteil den hundertsten Geburtstag feiern können. Denn die allgemeine Lebenserwartung steigt in Deutschland längst nicht mehr so steil an wie in der Vergangenheit.

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