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Wasserkult Viel trinken müssen - eine Mär?

Viel trinken - das ist ein häufiger Rat, auch an Gesunde. Doch jetzt weisen mehrere Forscher darauf hin, dass dem Wasserkult die wissenschaftliche Grundlage fehlt. Und sie stellen die Frage, ob zu viel Flüssigkeit sogar schaden kann.

© dapd Vergrößern Wasser trinken - gesund oder überschätzt?

Man muss viel trinken, das sei gut für die Gesundheit, die Schönheit, den Geist, so heißt es. Und um das tägliche Quantum zu bewältigen, solle man sich am besten einen Trinkplan zulegen. Durst allein scheint danach kein geeignetes Maß für den Wasserbedarf zu sein. Wer trotz aller Warnungen die Wasserflasche leicht aus dem Blick verliert, kann sich deshalb jetzt auch eine Trink-App aufs Handy runterladen. Ein schriller Piepton erinnert dann in regelmäßigen Abständen daran, dass der körpereigene Wasserpegel schon wieder gefallen ist und somit Nachschub benötigt wird. Von der Getränkeindustrie meisterlich orchestriert, trägt das Hohelied auf die wundersamen Wirkungen prall gefüllter Flüssigkeitsspeicher inzwischen stattliche Früchte. Wohin der Blick auch schweift - überall stehen, gehen, rollen und laufen sie, die um ihr Wohl besorgten Wasserträger.

Nur manchmal ist viel Wasser therapeutisch sinnvoll

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Die beachtliche Anhängerschaft des modernen „Wasserkults“ darf freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Viel-trinken-Müssen wissenschaftlich auf äußert wackligem Fundament steht. Sicherlich, ohne Wasser kann der Mensch nur wenige Tage überleben und muss Flüssigkeitsverluste daher ausgleichen. Wie viel Wasser ein Individuum benötigt, hängt aber von etlichen Faktoren ab, wie dem genetischen Hintergrund, der herrschenden Außentemperatur und dem Ausmaß an körperlicher Aktivität. Mitunter kann ein erhöhter Wasserverbrauch aus therapeutischer Sicht geboten sein, etwa wenn es darum geht, den Abgang von Nierensteinen zu begünstigen.

Viel weniger klar ist, ob ein erhöhter Flüssigkeitskonsum auch gesunden Menschen zugutekommt. Die einschlägigen Fachgesellschaften raten, täglich mindestens eineinhalb Liter - das sind sechs bis acht Gläser - Flüssigkeit aufzunehmen. Solche vom Durst unabhängige Trinkvorgaben hält die britische Allgemeinärztin Margaret McCartney aus Glasgow für Unsinn. Wie sie im „British Medical Journal“ erklärt (doi: 10.1136/bmj. d4280), entbehren derartige Empfehlungen einer soliden wissenschaftlichen Grundlage.

Woher die Trinkempfehlungen stammen, ist unbekannt

Ähnlich kritisch äußern sich die amerikanischen Nephrologen Dan Negoianu und Stanley Goldfarb von der Universität in Philadelphia (Pennsylvania) im „Journal of the American Society of Nephrology“ (Bd. 19, S. 1041). Nicht nachvollziehbar ist demnach, wer die mittlerweile etablierten Trinkmengenempfehlungen in Umlauf gebracht hat und auf welchen Forschungserkenntnissen diese beruhen. Denn die Fachliteratur enthalte keine Daten, die solche Vorgaben rechtfertigten. Auch die Behauptung, ein erhöhter Flüssigkeitskonsum beuge verschiedenen Krankheiten vor und lasse die Haut straffer erscheinen, steht laut den beiden Nierenärzten wissenschaftlich auf tönernen Füßen. Für einen solchen Zusammenhang gebe es keine stichhaltigen Beweise.

Was bei den Diskussionen um den echten oder vermeintlichen Wasserbedarf oft sprichwörtlich untergeht: Der menschliche Organismus verfügt über eineReihe von Regulationsmechanismen, die Flüssigkeitsverlusten äußerst effizient entgegenwirken. Durst ist einer davon. Dass dieses entwicklungsgeschichtlich bewährte Alarmsignal nicht richtig funktionieren soll, wie von der Trinklobby insinuiert, erscheint aus Evolutionssicht aber wenig plausibel.

Zu viel Trinken kann Natriummangel hervorrufen

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