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Vogelgrippe Verschlungene Wege des Vogelgrippe-Erregers

 ·  Die Ausbreitung des Vogelgrippevirus H5N1 stellt die Wissenschaftler vor immer neue Rätsel. Dies zeigen aktuelle Berichte aus China und Nigeria. In China wurde sogar ein H5N1-Opfer als Sars-Toter registriert.

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Die Ausbreitung des Vogelgrippevirus H5N1 stellt die Wissenschaftler vor immer neue Rätsel. In China war das Virus offenbar einige Monate bevor der erste Fall der jüngsten Infektionswelle in Vietnam gefunden wurde und ganze zwei Jahre vor der ersten offiziellen Meldung einer H5N1-Infektion durch die chinesische Regierung einem 24 Jahre alten Armeeangehörigen in Peking zum Verhängnis geworden.

Der Mann war fälschlicherweise als Opfer der Sars-Epidemie registriert worden, wie sich später zeigte. Eine Veröffentlichung in der Zeitschrift „New England Journal of Medicine“ (Bd. 354, S. 2731) Ende Juni, in der diese Infektion beschrieben wurde, ist ohne Angabe von Gründen wenige Tage später zurückgezogen worden. Angeblich untersucht die chinesische Regierung inzwischen den Fall.

Infektionswelle in Nigeria

Nicht weniger überraschend sind die Ergebnisse der Infektionswelle in Nigeria, dem ersten afrikanischen Land, in dem H5N1 aufgetreten ist. Das war im Februar dieses Jahres. Immer wieder war - auch von der Weltgesundheitsorganisation - spekuliert worden, bei den auf Geflügelfarmen isolierten Erregern habe es sich um Viren gehandelt, die mit illegal eingeführten Küken aus Südostasien, vermutlich Thailand, eingeschleppt worden seien.

Eine internationale Gruppe um den niederländischen Virologen Osterhaus hat jetzt aber durch Genanalysen gezeigt, daß die mittlerweile in annähernd der Hälfte der nigerianischen Bundesstaaten verbreiteten Vogelgrippe-Erreger mindestens dreimal unabhängig voneinander eingeschleppt worden sind („Nature“, Bd. 442, S. 37).

Südostasien nicht die Quelle

Die untersuchten, aus dem Südwesten und Norden des Landes stammenden Virusstämme glichen am ehesten den im westlichen Asien - vor allem in Rußland und in China - und Ägypten sowie den in Norddeutschland und Dänemark gefundenen Isolaten. Ausgeschlossen wird hingegen Südostasien als Quelle, auch wenn von dort viele der für die nigerianische Geflügelindustrie wichtigen Importe stammen. Die Forscher halten es für möglich, daß die Infektionen in Nigeria doch mit Zugvögeln verbreitet wurden. Zahlreiche Zugvögel in Westafrika wanderten regelmäßig aus Westasien ein.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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