14.03.2006 · Mit Vitamin-Präparaten, die Folsäure sowie Vitamin B12 und B6 enthalten, läßt sich anders als lange Zeit gedacht offenbar doch nicht die Verstopfung der Blutgefäße und damit ein Infarkt oder ein Schlaganfall verhindern - zumindest nicht bei Risikopatienten.
Mit Vitamin-Präparaten, die Folsäure sowie Vitamin B12 und B6 enthalten, läßt sich anders als lange Zeit gedacht offenbar doch nicht die Verstopfung der Blutgefäße und damit ein Infarkt oder ein Schlaganfall verhindern - zumindest nicht bei Risikopatienten, die schon an entsprechenden Vorerkrankungen leiden. Das geht aus den Online-Publikationen zweier internationaler Studiengruppen hervor, die jetzt von der Zeitschrift "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurden. Zwar läßt sich die Menge an Homocystein im Blut, das schon lange als Risikofaktor für Arteriosklerose gilt, durch die Einnahme der Vitaminpillen deutlich senken. Auf das Risiko, einen Infarkt oder Schlaganfall zu erleiden, hatte das aber keinen spürbaren Einfluß. In der "Hope-2"-Studie (doi 10.1056/NEJMoa060900) wurden insgesamt 5522 Patienten fünf Jahre lang beobachtet, die bereits an Gefäßerkrankungen oder Diabetes litten und die Vitamine in verschiedenen Kombinationen beziehungsweise ein Placebo erhielten. Die Vitamin-Probanden nahmen täglich 2,5 Milligramm Folsäure, 1 Milligramm Vitamin B12 beziehungsweise 50 Milligramm Vitamin B6 ein. Etwas weniger Vitamine erhielten die Teilnehmer der "Norvit"-Studie (doi 10.1056/NEJMoa055227). Insgesamt waren an dieser vierzig Monate dauernden Untersuchung 3749 Patienten beteiligt, die zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatten. Wie in der Hope-2-Studie wurde zwar der Homocysteinspiegel der Patienten deutlich gesenkt, die Vitamine verringerten das Risiko für Infarkte oder Hirnschlag aber nur marginal. Möglicherweise, so wird in einem Kommentar der Zeitschrift spekuliert, verursachen die zugeführten Vitamine neben einem Schutzeffekt, nämlich der Senkung des Homocysteinspiegels, zusätzliche, noch nicht beachtete ungünstige Veränderungen in den Blutgefäßen. So gibt es Hinweise, daß insbesondere die Folsäure direkt in die Vermehrung der Zellen in den Adern eingreift und diese fördert. Außerdem könnte Folsäure als Methylierungsreservoir dienen, das der Veränderung der Genexpression und schließlich der Plaquebildung in den Gefäßen den Boden bereitet.