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Dienstag, 18. Juni 2013
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Usutu-Virus Von Amsel zu Amsel und von Mensch zu Mensch

 ·  Ausbruch in Deutschland: Das Usutu-Virus tötet Vögel und ist auch für immungeschwächte Menschen gefährlich. Es wird von Mücken übertragen - und hat in ihnen überwintert.

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Von einem plötzlichen Amselsterben in Deutschland, vor allem in der Rheinebene bei Heidelberg und Mannheim, war erstmals im vergangenen Sommer die Rede. Wissenschaftler um Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg wiesen jetzt in 86 von 223 toten Vögeln, die in der zweiten Jahreshälfte 2011 gesammelt worden waren, Usutu-Viren nach. Die Viren, die zur Gattung Flavivirus gehören, stammen ursprünglich aus Afrika, wo sie vor allem südlich der Sahara auftreten. Ihre bevorzugten Wirte sind Vögel. Usutu-Viren werden durch Stechmücken übertragen und können auch Menschen infizieren, ähnlich wie ihre Verwandten, das West-Nile-Virus oder das japanische Enzephalitis-Virus. Die Wissenschaftler schreiben im Magazin „PLoS One“, dass 72 der 86 infizierten Vögel Amseln waren, die offenbar besonders anfällig sind; zudem waren Stare, Kanarienvögel, Bartkäuze, Eisvögel und ein Spatz betroffen (doi:10.1371/journal.pone.0032604).

Kaum ist der Fachartikel veröffentlicht, können die Autoren noch mehr Informationen liefern: Die Viren sind in der Lage, in Mücken zu überwintern. Der Mediziner Schmidt-Chanasit und seine Kollegen haben die Usutu-Virus-RNA aus Nördlichen Hausmücken (Culex pipiens) isoliert, die erst im Herbst geschlüpft sind. „Die Mücken haben in Wein- und Kartoffelkellern überwintert“, erklärt Schmidt-Chanasit. Mit speziellen Staubsaugern wurden die Wände in solchen Kellern abgesaugt. Anschließend wurden die Insekten eingefroren, zu jeweils 25 Individuen gepoolt und zerkleinert. Mittels PCR-Verfahren wiesen die Wissenschaftler am Bernhard-Nocht-Institut schließlich das Virus nach. „Das beweist, dass die Mücken auch Virusüberträger sein können, wenn sie noch kein Blut gesaugt haben“, sagt Schmidt-Chanasit. „Das Virus wird also auch über die Eier weitergegeben.“

„Wir befinden uns in einer Ausbruchssituation“

Mehr als die Hälfte aller Pools waren positiv. „Bei den Poolproben aus Heidelberg waren sogar nahezu hundert Prozent positiv“, sagt Schmidt-Chanasit, der schon zuvor 70 000 in den Jahren 2009 und 2010 gefangene Mücken untersuchte - aber nur in einem einzigen Pool das Usutu-Virus entdeckte. Mit Recht kann der Wissenschaftler also jetzt sagen: „Wir befinden uns in einer Ausbruchssituation. Wenn so viele Vögel infiziert sind, ist das wie ein Perpetuum mobile - das puscht sich gegenseitig hoch. Die Vögel werden Immunität erlangen, aber noch ist ihr Abwehrsystem unvorbereitet.“

In diesem Jahr ist also durchaus auch mit Infektionen beim Menschen zu rechnen; das Virus kann über Mückenstiche von Vogel zu Mensch und zurück übertragen werden und zwischen Menschen zirkulieren. Während die Amseln an Multiorganversagen sterben, verläuft die Infektion bei gesunden Menschen meist ohne Symptome oder wird höchstens als leichte Sommergrippe wahrgenommen. „Bei immungeschwächten Personen, etwa Krebspatienten, kann es aber zu schwerwiegenden Verläufen kommen, unter Umständen bis hin zu einer Gehirnentzündung, was auch tödlich enden kann“, sagt Schmidt-Chanasit. Zuletzt entwickelten im Jahr 2009 zwei immungeschwächte Menschen in Italien eine Gehirnentzündung nach einer Infektion mit dem Usutu-Virus; es handelte sich um einen Krebspatienten und einen Patienten nach einer Transplantation.

Gängige Mückenart

Das Virus war erstmalig im Jahr 2001 in Europa registriert worden; damals verursachte es in Wien ein Amselsterben. In den Folgejahren kam es zu kleineren Ausbrüchen in Ungarn, der Schweiz und Italien. Die Forscher am Bernhard-Nocht-Institut befassen sich derzeit mit der Frage, wie groß die medizinische Relevanz für die Menschen in Deutschland sein könnte. „Die Nördliche Hausmücke ist eine gängige Mückenart, meist ist sie es, wenn man abends im Garten sitzt und gestochen wird“, erklärt Schmidt-Chanasit, der Mückenbekämpfung für die wichtigste Strategie gegen das Virus hält.

Wer die Forscher unterstützen will, kann Amseln, die tot aufgefunden werden, an die örtlichen Veterinärämter oder das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg weiterleiten. Man sollte die Vögel mit Handschuhen anfassen, eine Gefahr besteht jedoch nur, wenn das Virus direkt in die Blutbahn gerät wie durch einen Mückenstich.

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Jahrgang 1978, Redakteurin im Ressort „Natur und Wissenschaft“

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