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Tumortherapie Dreifacher Schlag gegen Tumore

08.06.2005 ·  Die Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie gilt heute als Standard in der Behandlung von Tumoren. Deutsche Forscher ergänzten die Therapie nun um einen Wirkstoff, der die Neubildung der Blutgefäße verhindert und die Erfolgsaussichten steigert.

Von Hildegard Kaulen
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Eine Krebsgeschwulst läßt sich am ehesten beseitigen, wenn sie von mehreren Seiten gleichzeitig attackiert wird. Die Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie gilt deshalb heute als Standard in der Behandlung. Trotzdem verstehen es viele Tumore, sich diesem doppelten Angriff zu entziehen. Peter Huber vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und Kollegen des Universitätsklinikums Heidelberg haben jetzt eine Strategie gegen diese Fluchtwege entwickelt. Sie ergänzten die Strahlen- und Chemotherapie um einem Wirkstoff, der die Neubildung der Blutgefäße verhindert und die bestehende Gefäßanordnung im Tumor normalisiert.

Eine erste Prüfung bei krebskranken Mäusen ergab, daß sich die Krebszellen dadurch weniger stark vermehren. Die Zellen wachsen schlechter, ein höherer Anteil von ihnen wird in den programmierten Tod getrieben, und sie können weniger gut in das umliegende Gewebe eindringen („Cancer Research“, Bd.65, S.3643). Der zur Strahlen- und Chemotherapie hinzugenommene Wirkstoff SU11657 blockiert mehrere Stoffwechselwege, mit denen Tumoren die Wirkungen der Strahlen- und Chemotherapie abschwächen.

Biochemischer Fluchtweg blockiert

Zum Schutz vor einer Chemotherapie aktiviert der Tumor ein Eiweiß mit der Bezeichnung „Akt“. Er verhindert dadurch, daß die Krebszellen in den programmierten Zelltod getrieben werden. Der neue Wirkstoff blockiert diesen biochemischen Fluchtweg und sorgt somit dafür, daß mehr Krebszellen absterben. Vor der Strahlung schützt sich der Tumor, indem er seine Blutgefäße durchlässiger macht. Dadurch tritt Flüssigkeit aus den Gefäßen aus, was zu einer Druckerhöhung im umliegenden Gewebe und zu einer verminderten Durchblutung führt. Der für die Wirkung der Strahlentherapie notwendige Sauerstoff wird daher nicht in ausreichender Menge in den Tumor transportiert. Das gleiche gilt für die Zellgifte, die zur Chemotherapie verwendet werden. Der neue Wirkstoff, mit dem die Heidelberger Forscher die Chemo- und Strahlentherapie ergänzen, sorgt dafür, daß weniger Flüssigkeit aus den Gefäßen austritt und der Druck im Tumor abnimmt.

Die Erfolgsaussichten der Dreifachtherapie scheinen am größten zu sein, wenn man die Behandlung mit dem neuen Hemmstoff beginnt und erst einen Tag später mit der Strahlen- und Chemotherapie fortsetzt. Im kommenden Jahr soll das Verfahren bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs erprobt werden. Das von Huber und seinen Kollegen verwendete Zellgift ist bislang nur für die Behandlung von Lungenkrebs zugelassen, und der Wirkstoff SU11657 befindet sich noch in der klinischen Prüfung.

Quelle: F.A.Z., 08.06.2005, Nr. 130 / Seite N1
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