Home
http://www.faz.net/-gx3-77btr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Tierfutter Wie gefährlich sind Pilzgifte?

Aflatoxine in Futter: Es gibt einen Trend zu mehr Fällen. Und auch in handelsüblicher Kuhmilch werden bisweilen Pilzgifte nachgewiesen. Was bewirken sie im Körper?

© AP Vergrößern

Aflatoxine sind potente Gifte, die von Schimmelpilzen der Gattung Aspergillus gebildet werden. Aflatoxin B1 gilt als das gefährlichste Aflatoxin. Und auch im Vergleich mit anderen Giften ist Aflatoxin B1 hochtoxisch. Schon zehn Mikrogramm Aflatoxin B1 pro Kilogramm Körpergewicht sind für einen Menschen tödlich - während etwa Strychnin erst ab 500 Mikrogramm lebensbedrohliche Wirkungen entfaltet. Aflatoxin B1 und andere Toxine des Pilzes Aspergillus flavus kommen besonders häufig in Erdnüssen, Ackerbohnen, Baumwollsamen, Mais, Reis, Sojabohnen und Weizen vor, also in fetthaltigen Pflanzensamen. „Im allgemeinen ist Aspergillus flavus aber nicht in Deutschland zu finden, er benötigt wärmere Klimata“, erklärt Josef Kamphues, der Direktor des Instituts für Tierernährungder Tierärztlichen Hochschule Hannover. „Tauchen Aflatoxine in Futtermitteln auf, dann handelt es sich meistens um ein importiertes Problem.“ Meist tauche Aflatoxion M1, ein Metabolit von B1, plötzlich in untersuchten Milchproben auf. Daraufhin werde dann kontrolliert, was die Milchkühe zuvor gefressen haben.

Christina Hucklenbroich Folgen:    

Verzehren Tiere belastete Futtermittel, können Aflatoxine sowohl in die Milch als auch in Organe und ins Fleisch gelangen. Allerdings gelten Rückstände in Fleisch und Organen als weniger gefährlich für den Menschen, weil Aflatoxine im Gewebe so gebunden sind, dass sie in unwirksamer Form vorliegen.

Leberschäden und Gewichtsverlust

Im aktuellen Fall haben die Behörden mitgeteilt, dass es sich um besonders stark belastete Futtermittel handelt. Fressen Tiere stark mit Aflatoxinen belastetes Futter, können sie zunächst selbst erkranken. Die Aflatoxine gehen Bindungen mit großen Molekülen in Zellen ein, unter anderem mit der DNA, die auf diese Weise geschädigt wird. Vergiftete Tiere verlieren Gewicht oder nehmen während der Mast weniger zu, geben weniger Milch, erleiden Leberschäden oder entwickeln Leberkrebs. Die Leberschädigungen gelten auch beim Menschen als größte Gefahr.

Wegen der Risiken für Mensch und Tier werden Futtermittel und Lebensmittel regelmäßig auf Aflatoxine kontrolliert. „Die Bundesländer haben uns in den vergangenen fünf Jahren 361 Untersuchungen bei Fleisch und Fleischerzeugnissen auf Aflatoxin B1 gemeldet. Davon war keine positiv“, teilt eine Sprecherin des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (BVL) in Berlin mit. Bei 1045 Untersuchungen von Milch und Rohmilch auf Aflatoxin M1, einem Metaboliten von B1, seien hingegen 38 Proben positiv gewesen.

Forschung seit den siebziger Jahren

Bei den Futtermitteln war in der jüngeren Vergangenheit eine Tendenz zu mehr Fällen zu erkennen. Im Jahr 2011, geht aus einem Bericht des BVL hervor, wurden 1800 Proben auf Aflatoxine untersucht. In 28 (also 1,5 Prozent) dieser Untersuchungen konnte ein Giftgehalt nachgewiesen werden, der festgesetzte Höchstmengen überschritt. Damit ist die Beanstandungsquote um 1,1 Prozentpunkte höher als im Vorjahr - 2010 wurden nur 0,4 Prozent der Proben beanstandet; 2009 waren es sogar nur 0,2 Prozent. Bei den meisten beanstandeten Proben handelte es sich um Ölsaaten oder Erzeugnisse daraus.

Die Forschung zu Aflatoxinen und Aspergillus flavus sei in den siebziger Jahren weltweit intensiviert worden, sagt Josef Kamphues. In Deutschland dominierten allerdings andere Pilze in Lebens- und Futtermitteln, die in unserem Klima besser zurechtkommen. Häufig finde man vor allem Fusarientoxine, die von einer anderen Schimmelpilzgattung produziert werden und regelmäßig in Mais und Weizen vorkommen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wasser im Test Leitung oder Flasche?

Viele Wassertrinker fürchten sich vor Keimen, Pharmarückständen oder Bleiresten im Leitungswasser. Sie kaufen deshalb lieber Mineralwasser. Ein Vergleichstest. Mehr Von Nadine Oberhuber

21.10.2014, 10:51 Uhr | Finanzen
Nato-Verbündete proben für den Ernstfall

Während der Ukraine-Krise haben die Nato-Verbündeten Polen, Kanada und Vereinigte Staaten im polnischen Chechlo ein gemeinsames Manöver abgehalten. Mehr

06.05.2014, 11:01 Uhr | Politik
Greenpeace Kinderkleidung vom Discounter häufig mit Chemie belastet

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat in Textilien für Kinder Umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien nachgewiesen. Einige der Stoffe gelten als krebserregend. Mehr

23.10.2014, 08:55 Uhr | Finanzen
Charité probt den Ebola-Ernstfall

Mediziner sehen die Gefahr eines Ebola-Ausbruchs in Deutschland als gering an. Aber in der Berliner Charité will man gut vorbereitet sein. Mehr

11.08.2014, 22:09 Uhr | Gesellschaft
Tierversuche Das muss uns die Gesundheit des Menschen wert sein

Es ist ein klassisches ethisches Dilemma. Um die Funktionsweise des Lebens besser zu erforschen, wird Leben beeinträchtigt oder zerstört. Warum Tierversuche in der Grundlagenforschung leider unverzichtbar sind. Ein Gastbeitrag. Mehr Von Gerhard Heldmaier und Stefan Treue

22.10.2014, 14:12 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.03.2013, 14:03 Uhr

Haltung!

Von Joachim Müller-Jung

Ärzte lieben Symbole, wie die Kunst und Geschichte. Und besonders lieben sie politische Symbole. Wenn Ärzte der Stadt Berlin also zehn Spree-Eichen spenden, dann steckt da sicher etwas dahinter. Oder wünschen sie sich einfach nur eine schönere, grüne Hauptstadt? Mehr 7