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Südafrika Schützt Beschneidung vor Aids?

Bis zu vier Millionen Menschenleben könnten in den nächsten zehn Jahren in Afrika vor Aids gerettet werden. Ein Forscherteam hat mit einer Studie gezeigt, daß die Ansteckungsgefahr nach einer Beschneidung erheblich sinkt.

© picture-alliance/ dpa/dpaweb Vergrößern Die Beschneidung soll die Gefahr einer HIV-Infektion um sechzig Prozent verringern

Als im vergangenen Jahr eine afrikanisch-französische Gruppe von Aidsforschern die Ergebnisse einer Studie zur Vorbeugung von Aidsinfektionen in „Orange Farm“ in der Nähe von Johannesburg präsentierte, erntete sie nicht nur Lob, obwohl die Resultate durchaus Eindruck hinterließen. Danach schien das Risiko beschnittener Männer, sich bei einer infizierten Frau anzustecken, offenkundig statistisch um sechzig Prozent geringer zu sein als das der unbeschnittenen Männer.

Allerdings hatte man die Studie an etwas mehr als dreitausend jungen Männern schon nach der Ein-Jahres-Kontrolle vorzeitig abgebrochen. Doch waren 49 Neuinfektionen in der Gruppe der Unbeschnittenen, verglichen mit nur zwanzig unter den beschnittenen Probanden, den Forschern um Bertrand Auvert Beweis genug, daß die chirurgische Entfernung der Vorhaut einen „herausragenden Schutzeffekt“ biete, wie es Fachleute der Vereinten Nationen ausdrückten.

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Rasche Veröffentlichung in einer Zeitschrift

Vielen Medizinern schien es für weiter reichende Schlußfolgerungen indes zu früh. Nicht nur wegen der alles in allem doch geringen Zahl der beobachteten Infektionen. Es war auch die bis dahin einzige einigermaßen verläßliche, unter kontrollierten Bedingungen vorgenommene Studie. Die Resultate zweier ähnlicher in Uganda und Kenia ausgeführter Untersuchungen liegen noch immer nicht vor.

Auvert und seine Kollegen wollten die ausstehenden Ergebnisse wohl nicht abwarten und haben in der frei zugänglichen Zeitschrift „Plos Medicine“ (doi:10.1371/journalpmed.003) nun gemeinsam mit Kollegen der Weltgesundheitsorganisation eine auf einem Computermodell basierende Untersuchung vorgelegt, in der sie weitere Hinweise für den präventiven Nutzen der Beschneidung für den afrikanischen Kontinent südlich der Sahara liefern.

Verringerung um durchschnittlich 38 Prozent

Den Berechnungen zufolge ließen sich schon in den kommenden zehn Jahren eine bis fast vier Millionen Neuinfektionen und gleichzeitig hundert- bis fünfhunderttausend Aidstodesfälle verhindern, falls alle Knaben und jungen Männer Schwarzafrikas in kürzester Zeit beschnitten würden. Zehn weitere Jahre vorausgerechnet, sollten sich dadurch insgesamt mindestens eineinhalb Millionen und im besten Fall bis zu fünfeinhalb Millionen Aidsopfer vermeiden lassen. Allein in Südafrika mit knapp 25 Millionen Einwohnern, wo bisher allerdings kaum mehr als ein Drittel der Jungen beschnitten wird, könnten nach diesen Modellrechnungen jedes Jahr bis zu 175.000 Menschen dem Tod entrinnen.

Auf lange Sicht würden Frauen von den präventiven Maßnahmen genauso profitieren wie Männer. Zwar ließe sich die Verbreitung des Virus nur ähnlich unzureichend eindämmen wie mit einer einigermaßen effizienten Vakzine oder dem vermehrten Gebrauch von Kondomen. In Jahrzehnten gerechnet, verringerte sich durch die Beschneidung aller Männer die Übertragungsrate von Männern auf Frauen wie von Frauen auf Männer aber immerhin um durchschnittlich 38 Prozent.

Als vorbeugende Maßnahme empfohlen

Die Zahlen haben die Wissenschaftler so optimistisch gestimmt, daß sie die Beschneidung als vorbeugende Maßnahme grundsätzlich empfehlen. Die Schlüsse, die man durch Beobachtungen an vornehmlich muslimisch geprägten Kulturen, in denen die Beschneidung eine lange Tradition hat, gezogen hatte, würden damit rundweg bestätigt.

Allerdings geben Auvert und seine Kollegen am Ende ihrer Publikation zu bedenken, daß eine Bestätigung durch ein umfangreicheres Testprogramm im Grunde unumgänglich ist. Hinzu kommt, daß die Folgen allzu forscher Maßnahmen keineswegs in die Modellrechnung eingeflossen sind, denn erfahrungsgemäß werden viele Beschneidungen in afrikanischen Provinzen von „Dorfchirurgen“ vorgenommen, die kaum auf die erforderliche Hygiene und Wundpflege achten.

Quelle: F.A.Z., 13.07.2006, Nr. 160 / Seite 34

 
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