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Studien zu Alternativen ADHS ohne Medikamente behandeln

Weltweit überprüft man Therapien für die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung ADHS, die ohne Arzneimittel auskommen. Eine Übersichtsstudie zeigt nun, wie wenig aussagekräftig die Forschung zu dem Thema noch ist.

© dpa Vergrößern Ein Zehnjähriger bei den Hausaufgaben: Immer mehr Kindern sollen Medikamente helfen, sich zu konzentrieren

Die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung ADHS hat unlängst wieder viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen durch eine Studie der Krankenkasse Barmer/GEK, der zufolge die Zahl der Fälle bei den unter 19 Jahre alten Kindern und Jugendlichen in den Jahren 2006 bis 2011 um 42 Prozent gestiegen ist. Im Alter von elf Jahren erhalten demnach sieben Prozent aller Jungen und zwei Prozent der Mädchen das Medikament Ritalin. Die frühe medikamentöse Behandlung ruft immer wieder Kritiker auf den Plan. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat nun im „American Journal of Psychiatry“ erstmals Studien zu ADHS-Therapien analysiert, die ohne Medikamente auskommen (doi: 10.1176/ appi.ajp.2012.12070991).

In die Meta-Analyse flossen Daten von 54 Studien mit insgesamt 3000 Patienten ein. Die Untersuchungen kontrollierten zum einen die Auswirkung einer Ernährungsumstellung. Dabei wurden künstliche Lebensmittelfarben aus der Ernährung ausgeschlossen, die Nahrung wurde mit Omega-3-Fettsäuren ergänzt, oder man hielt eine spezielle Diät ein, bei der diejenigen Lebensmittel fehlten, gegen die die ADHS-Patienten eine Unverträglichkeit besaßen. Zum anderen ging es in den ausgewerteten Studien um drei psychologische Ansätze: kognitives Training, bei dem zum Beispiel das Arbeitsgedächtnis verbessert wird, Verhaltenstherapie und Neurofeedback. Bei Letzterem wird die Hirnaktivität auf einem Bildschirm dargestellt; der Patient lernt, sie selbst zu verändern und so etwa die Impulskontrolle zu stärken. Die Symptome der Störung besserten sich bei allen sechs Arten von Intervention - allerdings nur, sofern die Studie unverblindet war, das heißt, die beurteilenden Ärzte wussten, ob der Patient eine Therapie oder nur ein Placebo erhielt. Doch dieses Wissen des Arztes kann das Urteil beeinflussen. Und tatsächlich kamen die Wissenschaftler zu einem anderen Ergebnis, als sie nur die verblindeten Studien - in denen die Ärzte unvoreingenommen sind - heranzogen.

„Die Datenlage ist nicht gut“

Eine leichte Besserung verzeichneten in diesen Studien Patienten, die eine spezielle Diät mit mehr Omega-3-Fettsäuren erhalten hatten. Einen noch etwas größeren Erfolg erzielten Therapiekonzepte, in denen auf künstliche Farbstoffe verzichtet wurde - allerdings meistens bei Patienten, die man schon aufgrund ihrer Lebensmittelunverträglichkeiten ausgewählt hatte. „Das bedeutet aber nicht, dass die anderen Therapien nicht wirken“, sagt Martin Holtmann, einer der Autoren und ärztlicher Direktor der LWL-Universitätsklinik Hamm der Ruhr-Universität Bochum, „sondern dass die Datenlage nicht gut ist. Wir brauchen mehr wissenschaftlich hochwertige Studien.“ Außerdem seien nur die drei Kernsymptome einer ADHS in den Studien berücksichtigt worden: Impulsivität, Unaufmerksamkeit und Unruhe. Doch ADHS beeinflusse auch die Lebensqualität und das Selbstwertgefühl. Es sei durchaus möglich, dass die nichtmedikamentösen Therapien auf diese Bereiche wirkten.

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Quelle: F.A.Z.

 
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