Die Herstellung von beliebig vermehrbaren und wandelbaren embryonalen Stammzellen, die man durch das Zerstören früher Embryonen gewinnt, wird durch die Arbeit deutscher Forscher zusehends überflüssig. Ausgerechnet Oliver Brüstle von der Universität Bonn, der vor Jahren die bioethische Diskussion um die Embryonennutzung angestoßen hatte, präsentiert jetzt mit seiner Gruppe in den "Proceedings" der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (doi: 10.1073/pnas. 0808387106) eine "unerschöpfliche Quelle" für Nervenzellen, die von embryonalen Stammzelllinien - zumindest, was Nervenersatz angeht - unabhängig macht.
Die Forscher hatten aus embryonalen Stammzellen des Menschen in der Kulturschale Vorläufer von Nervenzellen erzeugt, die sich stabil vermehren und nach Zugabe von Biomolekülen zu unterschiedlichen Nerven- oder Gliazellen reifen lassen. Die Zellen dieser "primitivsten" Formen von Nervenvorläufern haben sich schon mehr als 450 Mal verdoppeln lassen. Nach der Transplantation der Zellen in Mäusegehirne hat Brüstle erstmals an einzelnen Zellen nachgewiesen, dass sich diese in das fremde Nervengewebe einbauen lassen und funktionstüchtig sind.
