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Stammzellforschung Die Zeit der schnellen Ernte

29.09.2008 ·  Bislang brauchte es für die Umprogrammierung von adulten Zellen zu pluripotenten Stammzellen meist potentiell gefährliche Retroviren als Genfähren. Nun hat ein Forscherteam harmlose Adenoviren für diese Aufgabe eingespannt. Ein Gespräch mit dem Teamleiter Konrad Hochedlinger.

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Als Ersatz für embryonale Stammzellen setzen Forscher auf "induzierte pluripotente Stammzellen", (iPS). Körperzellen werden dafür in eine Art Urzustand versetzt. Bisher gelang dies meist mittels Retroviren, die zu Komplikationen führen können. Nun berichtet ein Team um den Österreicher Konrad Hochedlinger über einen neuen Erfolg bei Mauszellen - Science verspricht gar "Stammzellen ohne Nebenwirkungen".

Herr Hochedlinger, was machen Sie anders als Ihre Kollegen?

Wir verwenden Adenoviren, die zwar die gewünschten Proteine liefern, sich aber nicht wie Retroviren ins Erbgut der Zellen einnisten. Sie wirken kurzfristig und verschwinden wieder: Im Verlauf der Zellteilungen verdünnt sich ihr Anteil. So sind iPS-Zellen mit unverändertem Genom entstanden, die in den üblichen Test bisher keine schädlichen Effekte zeigen.

Gibt es kein Restrisiko?

Bevor man solche Adeno-iPS für Therapien verwendet, müssten die jeweiligen Zellen genau untersucht werden, um auszuschließen, dass sich darin ein Stückchen Virus befindet. Wissenschaftlich sind diese Viren gut bekannt, sie stellen keine Gefahr dar. Wichtig ist jetzt vor allem, dass sich iPS erstmals direkt mit embryonalen Stammzellen vergleichen lassen, etwa wie ihre Genaktivität aussieht, ohne dass virale Einflüsse mitspielen.

Doch es bestehen andere Problemen: Die Erfolgsrate . . .

. . . ist extrem niedrig und 10- bis 100-fach schlechter als die von Retroviren. Wir zeigen mit dieser Arbeit, dass es überhaupt gelingt, und müssen nun die Technik verbessern. Und das Problem der Tetraploidie - 3 von den 13 erzeugten Zelllinien besitzen den vier- statt zweifachen Chromosomensatz - hängt vermutlich mit den verwendeten Leberzellen zusammen oder ist eine Folge von Zellfusionen. Auch diese Einschränkung lässt sich mit sorgfältigen Kontrollen lösen etwa durch Verwendung anderer Zellen, wie wir es bereits tun.

Alle Welt sucht den optimalen iPS-Weg, jeder will der Erste sein. Fürchten Sie die Konkurrenz?

Ja, das Feld ist hart umkämpft. In ein, zwei Jahren wird sich der Rummel legen, wenn die Studien der Kategorie "low hanging fruits" gedruckt sind - jetzt ist die Zeit der schnellen Fortschritte und der Ernte. Viele Experimente können in anderen Labors rasch wiederholt werden, und damit uns keiner zuvrokommt, präsentiere ich auf Konferenzen nur noch Daten, die kurz vor der Veröffentlichung stehen.

Die Fragen stellte Sonja Kastilan

Quelle: F.A.S.
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