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Schlechte Versorgung auf Station Das schlimme Sterben der Dementen

Schmerzen und seelische Not - auf den Stationen deutscher Krankenhäuser geht es kognitiv eingeschränkten, alten Menschen oft schlecht, zeigt eine neue Untersuchung.

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In Deutschland sterben demente Patienten weit häufiger in ihrem Zuhause, als dies im Ausland der Fall ist. In den Vereinigten Staaten sind es 82,5 Prozent der Demenzpatienten, die im Krankenhaus oder im Pflegeheim versterben, in europäischen Ländern wie Belgien, Holland, England, Wales und Schottland sogar schon 88,6 bis 94,9 Prozent. In Deutschland trifft das jedoch nur auf 42,4 Prozent derer zu, die an einer Demenz erkrankt sind.

Sofern sie sich äußern konnten, ist das Zuhause auch der von ihnen bevorzugte Ort zum Sterben - deutlich mehr als 90 Prozent der Todkranken wünschen sich das, ob sie nun dement sind oder nicht. Diese jüngsten Daten stammen aus einer Befragung im Rahmen einer Querschnittsstudie in Rheinland-Pfalz, deren Ergebnisse der Psychologe Luis Carlos Escobar Pinzon vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Mainz im „Deutschen Ärzteblatt“ (Bd.110, S.195) veröffentlicht hat.

Schwäche und Müdigkeit

Angehörige aus einer Zufallsstichprobe von 5000 Haushalten, in denen ein Mensch verstorben war, wurden über die näheren Todesumstände befragt. Insgesamt konnten Informationen über 310 Menschen, die vor ihrem Tod an einer Demenz gelitten hatten, sowie über 931 Verstorbene ohne Demenz ausgewertet und miteinander verglichen werden. Die häufigsten Symptome, die den Sterbenden zwei Tage vor dem Tod von den Angehörigen zugeschrieben wurden, waren - erwartungsgemäß - Schwäche, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und bei den Demenzkranken Desorientiertheit und Verwirrtheit. Allerdings litten mit 56,7 Prozent auch mehr als die Hälfte der Demenzkranken an Luftnot und mit 52,5 Prozent ebenfalls mehr als jeder zweite von ihnen an Schmerzen.

Diese mitunter quälenden körperlichen Beschwerden werden sonst eher Krebskranken zugeschrieben. Neuere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass insbesondere Schmerzen bei Demenzkranken vor dem Tod zunehmen. Sie werden offenbar nicht richtig wahrgenommen und diese Kranken sind, was Schmerzmittel angeht, unterversorgt. Sie weisen zudem signifikant häufiger offene, wunde Hautgeschwüre, sogenannte Dekubiti, auf, die auf eine unzureichende Pflege hindeuten, wenn die Betroffenen viel liegen müssen. Die Tatsache, dass Demenzkranke vieles um sie herum kognitiv nicht mehr erfassen, schützt sie außerdem keineswegs vor seelischer Not: Rund 60 Prozent von ihnen, genauso viele wie geistig fitte Kranke, leiden an Angst und Anspannung, etwas 45 Prozent sind depressiv, auch hier besteht kein Unterschied zu den nicht an Demenz erkrankten Patienten.

Normalstationen schneiden schlecht ab

Bemerkenswert schlecht schnitten die Normalstationen der Krankenhäuser hinsichtlich der Bewertung der Betreuungsqualität ab. Sie lagen sogar noch hinter den Pflegeheimen, die Zufriedenheit mit der Pflege zu Hause war am größten. Offenbar werden demente und nichtdemente Patienten in Krankenhäusern unterschiedlich behandelt. Laut dieser Auswertung hatten Ärzte und Pflegekräfte weniger Zeit für die Demenzkranken und gingen im Vergleich zu den kognitiv nicht beeinträchtigten Patienten auch seltener auf die emotionalen Bedürfnisse der Dementen ein.

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Quelle: F.A.Z.

 
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