Home
http://www.faz.net/-gx3-74bwm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Rotavirus-Impfung Kleineres Risiko für Kinder?

Die Altersgrenzen für die Rotavirus-Impfung sind streng, nur Babys dürfen sie erhalten. Die Beschränkungen zu lockern, könnte mehr Kindern das Leben retten - gerade in Entwicklungsländern.

© dpa Vergrößern In vielen Ländern ist die medizinische Versorgung von Säuglingen unzureichend

Die strengen Altersgrenzen für die Rotavirus-Impfung zu lockern, könnte mehr Kindern das Leben retten, als durch Impfkomplikationen gefährdet werden - vor allem in Ländern mit geringem und mittlerem Durchschnittseinkommen. Das schreiben Wissenschaftler von den amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention und der London School of Hygiene and Tropical Medicine in der Zeitschrift „PLoS Medicine“ (doi: 10. 1371/journal.pmed.1001330). Die Impfung gegen das Virus, das starke Durchfälle auslöst, erhöht das Risiko für eine gefährliche Darminvagination, die Einstülpung eines Darmabschnittes in einen anderen.

Christina Hucklenbroich Folgen:    

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entschied deshalb, dass die Impfung, die mehrere Gaben erfordert, vor dem Alter von fünfzehn Wochen begonnen und vor dem Alter von 32 Wochen abgeschlossen sein sollte. Der Grund für diese Beschränkung ist, dass ältere Kinder ohnehin ein erhöhtes Risiko haben, eine Darminvagination zu erleiden. Die Altersgrenzen führten gerade in armen Ländern mit schlechtem Zugang zu Ärzten dazu, dass viele Kinder die Impfung verpassen, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Veröffentlichung. Sie errechneten, dass man zusätzlich 47 200 Todesfälle durch Rotavirus-Infektionen verhindern könnte, wenn man die Altersbeschränkung aufheben würde. Knapp dreihundert Todesfälle durch Darminvaginationen würden dann allerdings zusätzlich auftreten.

Lockerung unter bestimmten Umständen

Experten von der WHO räumten nach dieser Berechnung ein, dass unter bestimmten Umständen die Chancen, die sich auch durch eine Impfung älterer Kinder böten, die Risiken überträfen. Somit müssten die Altersempfehlungen in einigen Regionen abgeschafft werden. In Deutschland rechnet die am Robert-Koch-Institut angesiedelte Ständige Impfkommission die Impfung gegen das Rotavirus nicht zu ihren Empfehlungen, sie rät aber auch nicht davon ab. Vor einer generellen Empfehlung benötigen die Experten noch Daten zur Sicherheit des Impfstoffs und zur Krankheitslast.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Epidemie in Afrika Zahl der Ebola-Toten steigt auf über 1000

In Westafrika sind über 50 weitere Menschen an Ebola gestorben. Die Vereinigten Staaten erlauben nun die Lieferung eines experimentellen Medikaments nach Liberia. Dessen Einsatz ist aufgrund unbekannter Nebenwirkungen aber umstritten. Mehr

12.08.2014, 05:21 Uhr | Gesellschaft
Polio Richtig impfen gegen Kinderlähmung

Jahrzehntelang war die „Schluckimpfung“ mit einem Lebendimpfstoff gegen Polio überall auf der Welt üblich. Ein internationales Wissenschaftlerteam liefert nun Hinweise darauf, dass erst die Kombination mit der inaktiven Vakzine aus der Spritze die Krankheit endgültig besiegen kann. Mehr

21.08.2014, 20:00 Uhr | Wissen
Medikamente gegen Ebola Am Menschen nur in höchster Not

Die WHO befürwortet die Gabe des noch nicht zugelassenen Medikaments ZMapp an Ebola-Infizierte. Noch in dieser Woche sollen einige Dosen des Medikaments nach Liberia gebracht werden. Mehr

12.08.2014, 23:05 Uhr | Gesellschaft

Gesundheit in Not

Von Joachim Müller-Jung

Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat alle überrascht. Auch die Weltgesundheitsorganisation. Sie ist inzwischen seuchenerprobt genug und sollte die Krise in den nächsten Monaten lösen - nicht jedoch ohne die politischen Autoritäten. Mehr 24