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Rotavirus-Impfung Kleineres Risiko für Kinder?

 ·  Die Altersgrenzen für die Rotavirus-Impfung sind streng, nur Babys dürfen sie erhalten. Die Beschränkungen zu lockern, könnte mehr Kindern das Leben retten - gerade in Entwicklungsländern.

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Die strengen Altersgrenzen für die Rotavirus-Impfung zu lockern, könnte mehr Kindern das Leben retten, als durch Impfkomplikationen gefährdet werden - vor allem in Ländern mit geringem und mittlerem Durchschnittseinkommen. Das schreiben Wissenschaftler von den amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention und der London School of Hygiene and Tropical Medicine in der Zeitschrift „PLoS Medicine“ (doi: 10. 1371/journal.pmed.1001330). Die Impfung gegen das Virus, das starke Durchfälle auslöst, erhöht das Risiko für eine gefährliche Darminvagination, die Einstülpung eines Darmabschnittes in einen anderen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entschied deshalb, dass die Impfung, die mehrere Gaben erfordert, vor dem Alter von fünfzehn Wochen begonnen und vor dem Alter von 32 Wochen abgeschlossen sein sollte. Der Grund für diese Beschränkung ist, dass ältere Kinder ohnehin ein erhöhtes Risiko haben, eine Darminvagination zu erleiden. Die Altersgrenzen führten gerade in armen Ländern mit schlechtem Zugang zu Ärzten dazu, dass viele Kinder die Impfung verpassen, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Veröffentlichung. Sie errechneten, dass man zusätzlich 47 200 Todesfälle durch Rotavirus-Infektionen verhindern könnte, wenn man die Altersbeschränkung aufheben würde. Knapp dreihundert Todesfälle durch Darminvaginationen würden dann allerdings zusätzlich auftreten.

Lockerung unter bestimmten Umständen

Experten von der WHO räumten nach dieser Berechnung ein, dass unter bestimmten Umständen die Chancen, die sich auch durch eine Impfung älterer Kinder böten, die Risiken überträfen. Somit müssten die Altersempfehlungen in einigen Regionen abgeschafft werden. In Deutschland rechnet die am Robert-Koch-Institut angesiedelte Ständige Impfkommission die Impfung gegen das Rotavirus nicht zu ihren Empfehlungen, sie rät aber auch nicht davon ab. Vor einer generellen Empfehlung benötigen die Experten noch Daten zur Sicherheit des Impfstoffs und zur Krankheitslast.

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