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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Rauchen Impfung gegen die Sucht

14.09.2005 ·  Weltweit rauchen 1,3 Milliarden Menschen. Diese Sucht ist für ein Drittel aller Krebstodesfälle und für fast jeden Fall von Lungenkrebs verantwortlich. Mit einem Impfstoff gegen Nikotin wollen Mediziner jetzt gegen das Rauchen vorgehen.

Von Hildegard Kaulen
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Weltweit rauchen 1,3 Milliarden Menschen. Diese Sucht ist für ein Drittel aller Krebstodesfälle und für fast jeden Fall von Lungenkrebs verantwortlich. Rauchen reduziert die Lebenserwartung um mindestens zehn Jahre. Trotzdem schaffen es nur wenige, diesem Laster endgültig zu entsagen. Daher sind neue Strategien gefragt.

Eine davon ist der Versuch, dem Rauchen ähnlich wie einer Infektionskrankheit durch Impfen zu begegnen. Hierbei gibt es jetzt ein hoffnungsvoll stimmendes Ergebnis. Wie eine große klinische Studie gezeigt hat, vermochten fast zwei Drittel der Teilnehmer mit Hilfe eines Impfstoffs des Schweizer Unternehmens Cytos Biotechnology ihrer Sucht abzuschwören. Eine solche Erfolgsquote ist noch mit keinem anderen Hilfsmittel erreicht worden. Medikamente, Nikotinpflaster und Kaugummis erbringen nur Abstinenzraten von 15 bis 20 Prozent. Und zusammen mit einer Verhaltenstherapie wurden Erfolgsquoten von allenfalls 35 Prozent erreicht.

Bei der Immunisierung werden Antikörper gegen Nikotin erzeugt. Diese Eiweißstoffe fangen die Moleküle im Blut ab und sorgen dafür, daß die Rezeptoren im Gehirn vergeblich auf ihren Kick warten. Die stimulierende Wirkung der Zigarette bleibt aus. Weil Nikotin alleine aber keine Antikörperbildung hervorruft, wurde es für die Immunisierung an ein Gerüst gekoppelt. Diese Halterung besteht aus vielen, sich wiederholenden Einheiten eines Virusproteins, die sich zu einer Kugel formen und mit Nikotin spicken lassen. Die klinische Studie, die jetzt in der Zeitschrift "Jama" (Bd. 294, S. 891) vorgestellt wurde, ist der erste Versuch, einige hundert Raucher mit dieser Nikotinzubereitung zu entwöhnen. Der Impfstoff wurde insgesamt fünfmal im Abstand von dreißig Tagen injiziert. Einige Probanden erhielten statt der Vakzine ein Scheinpräparat. Allen Teilnehmern gab man zudem Ratschläge für die Entwöhnung. Acht bis 24 Wochen nach Beginn der Behandlung wurde die Abstinenzrate ermittelt, und zwar zunächst durch die Befragung der Studienteilnehmer, danach durch Laboruntersuchungen.

Leichte Nebenwirkungen

Nur die Raucher mit vielen Antikörpern im Blut wiesen eine hohe Erfolgsquote auf. Bei niedrigen Antikörperkonzentrationen entsprach die Abstinenzrate der des Scheinpräparates. Geimpfte Probanden, denen der Ausstieg aus der Sucht nicht gelungen war, griffen aber wenigstens seltener zur Zigarette als die Raucher der Kontrollgruppe. Jetzt will man versuchen, die Erfolgsquote durch eine höhere Impfstoffdosis oder durch weitere Impfschritte zu verbessern. Die Verträglichkeit der Nikotinzubereitung gilt als gut. Zu den Nebenwirkungen zählten lediglich leichte Reaktionen an der Einstichstelle sowie grippeähnliche Symptome in den ersten Stunden nach der Impfung.

Die Befürchtung, daß Raucher, die vergeblich auf die stimulierende Wirkung der Zigarette warten, versuchen, diesen Kick durch einen höheren Konsum zu erzwingen, hat sich in der Studie nicht bestätigt. Allerdings unterdrückt der Impfstoff nicht das Verlangen nach Nikotin. Weil aber diese Droge abgefangen wird, ist das Rauchen ein unbefriedigendes Erlebnis ohne übliches Glücksmoment. Gegen die Entzugserscheinungen muß mit anderen Maßnahmen vorgegangen werden.

Mit SMS gegen die Sucht

Eine ganz andere Strategie im Kampf gegen das Rauchen wurde in Neuseeland erprobt. Man hat dort versucht, junge Menschen mit SMS-Nachrichten zur Aufgabe ihrer Sucht zu bewegen. Jugendliche sind meistens wenig geneigt, sich gängigen Nichtraucher-Programmen anzuschließen, und müssen deshalb gesondert angesprochen werden. Bei der von der Universität Auckland organisierten Initiative wurden fast tausend Jugendliche regelmäßig per SMS an ihre Absicht erinnert. Außerdem lenkte man sie mit Spielen und Rätseln ab und ließ sie so viele kostenlose Botschaften an ihre Freunde und Familienmitglieder schreiben, wie sie wollten. In Zeiten besonderer Entzugserscheinungen wurden sie zudem durch zusätzliche Ratschläge ermuntert. Eine zweite, etwa gleich große Gruppe von Jugendlichen mußte die Zeit der Entwöhnung ohne Hilfsmittel durchstehen.

Wie die Studienauswertung zeigte, fanden in der mit SMS-Nachrichten versorgten Gruppe doppelt so viele Jugendliche den Weg aus der Sucht wie in der auf sich selbst gestellten Gruppe. Anthony Rodger von der Universität Auckland vermutet, daß die ständige Ermunterung allerdings nur eine Seite des Erfolgs ist. Die andere Seite ist wahrscheinlich die stete Beschäftigung der Finger durch das Tippen der SMS-Nachrichten. Das Bedürfnis, eine Zigarette zu halten, wird dadurch geringer. Allerdings räumt Rodger ein, daß nicht alle jugendlichen Raucher auf diese Strategie ansprechen. Der Behandlungserfolg scheint vom Alter, Geschlecht und dem Einkommen abzuhängen. Außerdem ist offen, wie es nach dem Ende der Betreuung weitergeht. Nachhaltigkeit ist ohnehin die größte Herausforderung bei der Raucherentwöhnung. Das zeigen auch Untersuchungen an Frauen, die wegen einer Schwangerschaft mit dem Rauchen aufgehört haben. Viele von ihnen greifen nach der Entbindung wieder zur Zigarette.

Quelle: F.A.Z., 14.09.2005, Nr. 214 / Seite N1
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