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Papierlabor Bluttest für unterwegs

 ·  Mit einem verblüffend einfachen Verfahren kann man jetzt schnell die Blutgruppe bestimmen. Die Technik eignet sich besonders in Krisengebieten oder schwer zugänglichen Regionen, wo kein Großlabor zur Verfügung steht.

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Die Bestimmung der Blutgruppe ist heutzutage meist reine Laborroutine. Und doch gibt es Situationen - etwa bei Katastrophenfällen oder in weniger entwickelten Ländern -, wo häufig kein Labor zur Verfügung steht, man aber einen einfachen und raschen Bluttest benötigt, dessen Ergebnis keiner weiteren Interpretation von Messwerten bedarf, sondern selbst von Laien erkennbar ist. Einen solchen Test haben nun Chemieingenieure an der australischen Monash-Universität entwickelt. Auf einem Papierstück ist die Blutgruppe rot auf weiß direkt ablesbar - als Blutfleck in Form von Buchstaben.

0 Rhesus negativ

Bluttransfusionen verliefen früher häufig tödlich. Das änderte sich erst zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, als der Wiener Arzt Karl Landsteiner die Blutgruppen des AB0-Systems beschrieb und forthin darauf geachtet wurde, dass Blutkonserven von den Empfängern vertragen werden. In dem von Landsteiner festgelegten System sind die vier Blutgruppen A, B, AB und 0 beschrieben. Der jeweilige Buchstabe bezeichnet die auf den roten Blutkörperchen vorhandenen Antigene. So besitzen Menschen mit der Blutgruppe A Antigene vom Typ A, jene mit Blutgruppe B Antigene vom Typ B. Hat jemand die Blutgruppe AB, liegen beide Antigene vor, bei der Blutgruppe 0 hingegen fehlen beide Antigene. Diese Einteilung wird ergänzt durch die Angabe des Rhesusfaktors D, der positiv oder negativ sein kann.

Verräterische  Rotfärbung

Der Test von Wei Shen und seinen Kollegen besteht aus einem Papierstück mit einer Kantenlänge von etwa zehn Zentimetern, auf das man ein paar Tropfen Blut bringt, die man nach zwanzig Sekunden wieder mit einer Salzlösung abspült. Das Ergebnis des Tests ist anschließend klar zu erkennen und abzulesen: In den Fenstern erscheinen entsprechend der Blutgruppe die Zeichen A, B oder 0 sowie ein Symbol für den Rhesusfaktor.

Reaktionen mit Antikörpern

Der Schnelltest beruht wie die Laboruntersuchung auf der Wechselwirkung der Erythrozyten mit den entsprechenden Antikörpern (“Angewandte Chemie“, doi: 10.1002/ange.201201822). Treffen die roten Blutkörperchen auf Antikörper, die gegen ihre Antigene gerichtet sind, verklumpen sie. Die Forscher haben saugfähiges Papier zunächst mit einer wasserabweisenden Lösung überzogen. Ausgespart blieben lediglich vier kleine Fensterchen. Zwei dieser Fenster mit der Form der Buchstaben A und B sind mit den entsprechenden Antikörpern benetzt worden. Gibt man nun Blut der Gruppe A auf das Testpapier, verklumpen die Erythrozyten in dem A-förmigen Fenster. Das verklumpte Blut bleibt an den Papierfasern haften und färbt den Buchstaben deutlich sichtbar ein. Dementsprechend reagiert Blut der Gruppe B mit den Antikörpern in dem Fenster B. Gehört die Probe zur Blutgruppe AB, sprechen beide Fenster an.

Der Trick mit der 0

Weil die Blutgruppe 0 nicht auf Antikörper reagiert, griffen die Forscher zu einem Trick. Das dritte Fenster auf dem Testpapier in Form eines X wurde mit Antikörpern gegen A und gegen B bestückt. Darüber ist mit roter wasserfester Tinte eine Null gedruckt worden. Blut der Gruppen A, B oder AB reagiert auf beide Antikörper und färbt das X entsprechend rot. Damit ist die Blutgruppe 0 auf dem Papier durchkreuzt. Gehört die Probe hingegen zur Blutgruppe 0, bleibt die mit roter Tinte aufgedruckte 0 lesbar.

Erfolgreiche Prüfung

Ähnlich gingen die Forscher vor, um den Rhesusfaktor zu bestimmen. Die vierte Aussparung hat die Form eines senkrechten Strichs und wird mit Antikörpern gegen den Rhesusfaktor D präpariert. Darüber druckten die Wissenschaftler einen roten Querstrich. Ist das Blut RhD positiv, färbt sich der senkrechte Strich rot und es erscheint ein Pluszeichen. Bei negativem Rhesusfaktor erfolgt keine Reaktion und das Papier zeigt ein Minuszeichen an. Fast hundert verschiedene Blutproben wurden mit dem einfachen und kostengünstigen Schnelltest untersucht. Die Ergebnisse konnten alle durch Labortests bestätigt werden. Der Papiertest ist recht empfindlich, so dass er auch bei Blutproben von Patienten funktioniert, die eine verminderte Erythrozytenzahl aufweisen.

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