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OP am offenen Herzen Delirium mit Folgen

 ·  Viele Patienten sind nach einer Operation am offenen Herzen desorientiert. Eine Studie legt nahe, dass das Denkvermögen der Betroffenen noch monatelang eingeschränkt ist.

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Orientierungslos, unaufmerksam, unruhig, wesensverändert und mit einem eingeschränkten Denkvermögen - viele Patienten entwickeln nach einer Operation am offenen Herzen einen kurzzeitigen Verwirrtheitszustand, der lange Zeit nur als Durchgangsstadium auf dem Weg zur Genesung betrachtet wurde. Jane Saczynski von der University of Massachusetts in Worcester und ihre Kollegen haben jetzt nachgewiesen, wie schnell sich die Betroffenen von den erlittenen Einbußen beim Denkvermögen erholen. Während die Patienten ohne Verwirrtheitszustand zumeist schon nach vier Wochen wieder über ihre früheren kognitiven Fähigkeiten verfügten, erreichten viele Patienten mit einem postoperativen Delirium diesen Zustand erst nach einem Jahr. Saczynski und ihre Kollegen haben für diese Studie 225 Patienten zwischen sechzig und neunzig Jahren untersucht, zunächst in den Tagen vor dem Eingriff, dann täglich während des Krankenhausaufenthaltes und nach einem, sechs und zwölf Monaten.

Das Denkvermögen wurde mit einem Status-Test gemessen und mit einem Wert zwischen null und dreißig beziffert. Bei einem postoperativen Delirium fiel der Wert am zweiten Tag nach der Herzoperation um durchschnittlich 7,7 Punkte niedriger aus als vor der Operation. Bei den Patienten ohne Delirium war der Wert nur um durchschnittlich 2,1 Punkte zurückgegangen. Während die Patienten ohne Delirium diesen Rückgang schnell wieder ausgeglichen hatten, verlief die Erholung der anderen Gruppe weitaus langsamer. Allerdings zeigte sich im zeitlichen Verlauf, dass sich deren kognitive Fähigkeiten stetig verbesserten. „Weil die Patienten mit einem postoperativen Delirium bis zum sechsten Monat nach dem Eingriff weiter Fortschritte machen, sollten auch die Rehabilitationsmaßnahmen entsprechend ausgedehnt werden“, schreiben Saczynski und ihre Kollegen im „New England Journal of Medicine“ (Bd.367, S.30). Die Ärzte plädieren auch dafür, spezielle Rehabilitationsmaßnahmen zu entwickeln, die das Denkvermögen nach einem solchen Ereignis fördern.

Fast jeder zweite entwickelt ein Delirium

Saczynski und ihre Kollegen haben auch die Risikofaktoren für ein postoperatives Delirium ermittelt. Dieser Zustand ist offensichtlich keine Seltenheit. Von den 225 Patienten entwickelte fast jeder Zweite ein Delirium. Bei zwei Dritteln der Betroffenen hielt der Verwirrtheitszustand ein bis zwei Tage an, bei einem Drittel drei Tage oder länger. Besonders gefährdet waren die besonders alten Patienten, die Patienten mit einem geringen Bildungsstand und die Frauen, die in der Studie in der Minderzahl waren. Ein höheres Risiko hatten auch diejenigen, die zuvor schon einen Schlaganfall erlitten hatten, immer wieder vorübergehende Durchblutungsstörungen im Gehirn zeigten und den schlechtesten Gesundheitszustand aufwiesen. Auch wer vor der Herzoperation schon über geringe kognitive Fähigkeiten verfügte, war stärker gefährdet. Die Art der Herzoperation, ob Bypass- oder Herzklappenoperation, spielte hingegen keine Rolle. Die Ärzte leiten daraus ab, dass man schon vor der Operation vorhersagen kann, wer mit einem postoperativen Delirium zu rechnen hat. „Wenn Patienten mit einem hohen Risiko frühzeitig identifiziert werden und wenn weitere Maßnahmen entwickelt werden, mit denen das Delirium nach einer Herzoperation verhindert werden kann, gehen vielleicht auch die langfristigen kognitiven Einschränkungen in dieser Gruppe zurück“, so die Ärzte um Saczynski. Die Studie hat allerdings eine Schwäche. Es gibt keine Kontrollgruppe. Es wurde also niemand mit ähnlichen Charakteristika und Vorerkrankungen untersucht, der nicht am Herzen operiert worden war.

Christopher Grote, Neuropsychiater am Rush University Medical Center in Chicago, verwies gegenüber dem Online-Nachrichtendienst „HealthDay“ darauf, dass die Patienten vor der Operation darüber aufgeklärt werden sollten, dass ihnen vielleicht eine Zeit mit eingeschränktem Denkvermögen bevorstehe. Für einige könne dies bedeuten, dass sie länger mit der Arbeit aussetzen müssten, als dies ihre körperliche Verfassung vermuten ließe. Vielleicht sei es auch ratsam, so Grote weiter, den Patienten zu empfehlen, in den ersten zwölf Monaten nach einem postoperativen Delirium keine weitreichenden finanziellen oder persönlichen Entscheidungen zu treffen, bis sie sicher seien, wieder über ihr altes Denkvermögen zu verfügen.

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