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Mittwoch in „Natur und Wissenschaft“ Schutzwälle gegen die Angst

„Messies“ sammeln vor allem Papier, Kleidung, Zeitungen und Verpackungen - und lassen ihre Wohnung völlig vermüllen. In Amerika wird „Hoarding Disorder“ bald zu einer eigenen Diagnose. Redakteurin Christina Hucklenbroich hat nachgeforscht, was man über die Störung schon heute weiß.

© F.A.Z. Vergrößern Die Seite N1 der Ausgabe von diesem Mittwoch.

Auszug aus dem Artikel:

„Als ’Hoarder’ darf in Zukunft eingestuft werden, wer dauerhaft Schwierigkeiten hat, Besitz wegzuwerfen, auch wenn es sich um wertlose Gegenstände handelt. Die Gegenstände füllen Räume so an, dass deren normale Nutzung nicht mehr möglich ist. Falls die ständig benutzten Räumlichkeiten freigeräumt sind, dann nur, weil Familienmitglieder dafür sorgen. Die vermüllte Umgebung muss den „Hoarder“ zudem in klinisch bedeutsamer Weise in seiner sozialen und sonstigen Funktionsfähigkeit einschränken, wozu auch gehört, dass seine Wohnung nicht mehr sicher für ihn und andere ist, der Müll zu Stürzen führen kann oder Brandkatastrophen zu befürchten sind. Ausgeschlossen werden muss, dass es sich beim Horten um das Symptom einer anderen psychischen Erkrankung handelt: einer Depression, Psychose oder Demenz etwa.

Der Kriterienkatalog ist deutlich spezifischer als der erste von Randy Frost aus dem Jahr 1996, auch wenn er auf dieser Urform basiert. Man weiß seitdem vieles genauer, auch über die Ursachen. In Studien konnte die verbreitete Annahme, Hoarder hätten in ihrer Jugend Mangel an materiellen Dingen gelitten, nicht bestätigt werden. Allerdings haben Betroffene überdurchschnittlich viele traumatische Erfahrungen im Leben machen müssen. Die Störung verläuft meistens chronisch und bessert sich nur bei wenigen von selbst wieder. Das Horten tritt familiär gehäuft auf. Die ersten Symptome zeigen sich schon im Alter von zwölf bis dreizehn Jahren. Meist beginnt die Störung dann ab einem Alter von Mitte dreißig, den Alltag der Betroffenen einzuschränken. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. In Neuroimagingstudien zeigten sich bei Hoardern, von denen man Gedanken an das Horten oder Entscheidungen verlangte, ungewöhnliche Erregungsmuster in Hirnstrukturen, die in Fähigkeiten wie Entscheidungsfindung, Aufmerksamkeit, Organisation und Emotionsregulierung eingebunden sind.

Die Kriterien für die DSM-Neufassung wurden aber nicht nur von den Erkenntnissen der Forschung beeinflusst. Es ging dabei auch darum, „normales“ Sammeln vom krankhaften Horten abzugrenzen, um Sammler - selbst exzentrische - nicht zu psychiatrisieren...“

In einem zweiten Artikel beleuchten wir in der Ausgabe am Mittwoch das Phänomen „Animal Hoarding“ - das exzessive Sammeln von Hunden, Katzen und anderen Tieren. Ein Auszug:

„In wissenschaftlicher Hinsicht ist die Problematik allerdings noch weitgehend unerforscht. Die Experten sind sich nicht einmal einig, ob „Animal Hoarding“, das Sammeln von Hunden, Katzen oder anderen Tieren, wirklich als Subtyp der für die Neufassung des Klassifikationssystems psychischer Erkrankungen DSM-5 geplanten Diagnose „Hoarding Disorder“ eingestuft werden kann. In einer Studie im Fachmagazin „Depression and Anxiety“ stellte ein Team um den amerikanischen Hoarding-Experten Randy Frost Ende 2011 dar, dass es zwar viele Gemeinsamkeiten gibt - etwa das krampfhafte Festhalten von Gehortetem, die Panik bei Beschlagnahmung - aber auch grundlegende Unterschiede. Beim Horten von Gegenständen sind beispielsweise ungefähr gleich viele Männer wie Frauen betroffen, die „Hoarder“ von Tieren sind aber zu 70 bis 83 Prozent - je nach Studie - Frauen. Außerdem sind die Wohnungen der „Animal Hoarder“ stark verschmutzt und in weitaus schlimmerem Zustand als bei denjenigen, die Dinge horten.Geklärt werden kann die Frage wohl vor Veröffentlichung der neuen Fassung des DSM nicht, weil es zu wenige Studien über Animal Hoarder gibt. Immerhin gibt es aber neue Daten über das Ausmaß der Problematik aus Deutschland. Im vergangenen Jahr veröffentlichte die Veterinärmedizinerin Tina Sperlin eine Studie, für die sie alle Veterinärämter in Deutschland um Auskunft über Animal Hoarding-Fälle in deren Einzugsgebiet gebeten hatte. 86 Prozent der Ämter hatten mit Fällen von Animal Hoarding zu tun...“

NuW von Mittwoch, den  13.02.12012 © F.A.Z. Vergrößern Die Seite N2 der Ausgabe von diesem Mittwoch

Die vollständigen Artikel sind in der Mittwochbeilage „Natur und Wissenschaft“ der F.A.Z. zu lesen.

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Ansprechpartner:  wissenschaft@faz.de

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 12.02.2013, 15:02 Uhr