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„Messie-Syndrom“ Schutzwälle gegen die Angst

 ·  Manche Messies lassen ihre Wohnung völlig vermüllen, andere sammeln mit System und finden jede Schraube wieder. In Amerika wird exzessives Horten jetzt in den Rang einer eigenen Diagnose erhoben.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (11)
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Eva S. Roth

KNAPP VORBEI IST AUCH DANEBEN - gefährliche Symptombehandlung ohne Sinn

Wahr ist, dass Betroffene viele traumatische Erfahrungen machen mussten. Oft in früher Kindheit und über sehr lange Zeit. Diese Schäden mit kognitiver Verhaltenstherapie anzugehen, ist reichlich naiv: "nach einem halben Jahr war die Wohnung entmüllt und die Patientin geheilt."
Naiver geht's nicht! Ein Messie schafft es locker, eine entrümpelte Wohnung in Kürze wieder so vollzustopfen, wie sie vorher war.
Werden die Ursachen nicht erkannt, drohen massive Symptomverschiebungen. Dann wird eben nicht mehr gehortet, sondern Tag+Nacht im Internet gesurft, TV geguckt und alles schön auf Video aufgezeichnet.
Immerhin nimmt DIESES Konsumverhalten etwas weniger Platz weg. Viele flüchten sich nach angeblicher "Heilung" in eine Ess-Sucht, sammeln am eigenen Körper weiter. Dann lieber die Sachen zunächst behalten und erstmal die Ursachen erforschen, etwa in einer Psychotherapie. Mit sich selbst liebevoll umgehen, die Vergangenheit erst begreifen und dann betrauern. Schwer genug - aber das hilft.

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Lieschen Müller

Raffgier?

Ich kann das ja nicht nachvollziehen. Sicher kenne auch ich 'Retail-Therapie' und erfreue mich an einem neuen Kauf, aber ich weigere mich mir alles aufdrehen zu lassen. Nicht jede Werbekampagne oder Produkt überzeugt mich. Es muss idealerweise genau das sein, was sich suche oder schon länger gesucht habe. Entspricht das was ich suche nicht meinen Vorstellungen kaufe ich es nicht. Bin doch nicht der Lakai der Werbung? Ich habe einen eigenen Willen und eigene Vorstellungen. Alles unnötige, d.h. Zeitungen/Werbung, fliegen sofort in die Tonne, denn mittels Internet kann man auf Bedarf recherchieren und nachlesen. Ich will nicht zugemüllt werden, ich will Informationen auf Bedarf. Und zuhause die Übersicht behalten. Eine Art Selbstdisziplin, nach dem Motto, mit mir macht Ihr das nicht, ich lass mich nicht auf alles ein. Dinge mit sentimentalem Wert, Erbstücke sind für mich etwas Besonderes, was ich schätze.

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thomas ackermann

Bei mir stapeln sich die FAZ-Ausgaben seit 1983

...in meinem Büro. Und nebenan findet sich ein Stapel alter Playboy-Ausgaben aus den 70er Jahren. Mhm, angenommen es wären Ausgaben der TAZ - dann bräuchte ich vielleicht psychologische Hilfe...

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Hans-Jörg Rechtsteiner

Kein Fortschritt

Es hat immer etwas Mißliches, aus einem Symptom eine eigenständige Krankheit zu machen, gerade dann, wenn das Symptom sich mit derartiger Drastik kundtut wie das krankhafte Horten. Die menschliche Bequemlichkeit, der auch Ärzte, zumal wenn sie vielbeschäftigt sind, gern erliegen, sorgt dann für eine unangemessene Simplifizierung, die das Symptom für die Krankheit selbst hält. Das Messie-Syndrom ist offensichtlich keine nosologische Entität. Es führt mithin kein Weg an einer eingehenden fachpsychiatrischen Untersuchung vorbei, deren erstes Ziel die differentialdiagnostische Aufschlüsselung der tieferen Ursache(n) der Störung ist. Ohne eine solche Diagnose wird man dem Patienten in der Regel nicht helfen können. Daher ist der amerikanische Vorstoß kein Fortschritt.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 19.02.2013 01:35 Uhr
Closed via SSO
Björn Hiemer (bhiemer) - 19.02.2013 01:35 Uhr

Patienten lieben Etiketten

Ich würde davon ausgehen, dass Patienten mit einem solchen Etikett sich wohler - weil nicht mehr Einzelfall - fühlen. So nutz- und wertlos das Unterfangen ansonsten auch ist. Ich entsinne mich dunkel, dass ich selbst mich wohler fühlte, als man mir vor vielen Jahren ein Etikett einer anderen psychischen Störung verpasste, die ich mittlerweile als erledigt (nicht geheilt) betrachte.

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Michael Meier
Michael Meier (never1) - 18.02.2013 17:42 Uhr

Bitte keine Verunglimpfung von Messi ohne e am Ende....

... Messi ist einer der weltbesten Fußballer. Was interessieren mich diese abgedrehten und verrückten Müllsammler, wenn ich dessen Fußball sehen kann :-).
Echte Messies gehören wohl eher in die Psychiatrie als in eine Mietwohnung.

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Fritz Schruff

Messie, was ist das den nun schon wieder?

Nicht nur, daß wir Deutschen den EG Bürgern immer wieder zeigen müssen,
wo es wirtschaftlich langgeht. Wir haben uns auch noch angewöhnt unseren britischen Nachbarn zu demonstrieren wie ihre Spache aus unsere Sicht verbessert werden könnte. (Das ist übrigens ein Bereich, den die Komiker immer wieder aufgreifen, um über uns zu lästern)
Worte wie zB. Handy, Mobbing oder Messie sind rein deutsche Erfindungen und die FAZ macht bei diesem Schwachsinn kräftig mit.
Handy bedeutet dienlich, nützlich, griffbereit ...
Mobbing wird nur im Sinne von Anpöbeln gewählt, und wird sehr, sehr selten verwendet. Bullying wäre das "deutsche Mobbing" korrekt übersetzt.
Und Messies als Substantiv gibt es überhaupt nicht. Schon gar nicht gibt es ein "Messy Syndrom"
Wir haben doch eine so schöne Sprache, warum müssen wir uns mit solch einem Sprachschrott lächerlich machen?

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Closed via SSO
klaus keller (klkeller) - 17.02.2013 21:26 Uhr

Schöne Beschreibung.

Sachbezogenen Texte dieser Art lese ich gerne. Medizinisches Wissen, hier psychiatrische Störungen, verstehbarer zu machen ist langes bohren dicker Bretter. So kann es gelingen.

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paul osten
paul osten (posten) - 17.02.2013 12:15 Uhr

Erstaunlich

"4,6% sind Messies",dass ist jeder 20ste! Ich scheine in einer vollkommen unmöglichen Welt zu leben.
Keiner meiner Freunde, Bekannten und Kollegen, in deren Wohnung ich gehe (weit mehr als 20), zeigt daraufhindeutende Symptome. Keiner meiner Bekannten zeigt Symptome von Internetsucht, 2-3 von ca. 30 sind dick und einer fett. Keiner ist überschuldet, kener leidet unter Aufmerksamkeitsstörungen...
Womit ich nicht sagen will, dass alles gut ist - jeder hat seine Probleme und seinen Ärger.
Aber Statistken über solche Modeleiden werden wohl eher lanciert damit Therapeuten u.ä. sich ihre 3te Eigentumswohnung kaufen können.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 20.02.2013 21:38 Uhr
Marie-Luise Bender

Laienstatistik

Ihre statistischen Überlegungen sind sehr spaßig, aber nicht so selten, kann man doch ähnliches beinahe täglich in den Medien beobachten. Also: Jeder sechste ist Chinese, Sie sind doch Chinese, oder?

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Petra Brinkert

Da haben Sie vielleicht einfach Glück - oder einen richtig guten Riecher?!

Ich kenne Menschen, die sich und anderen das Leben mit dem Horten vergällen. Auch die im Artikel erwähnte Behandlungsresistenz. Es wurde eher die Trennung in Kauf genommen, als eine Verbesserung zu erwirken. Selbst bei hoch sozial verantwortungsbewussten, extrem engagierten Menschen! Bei diesen ist es noch schwieriger, etwas zu verbessern, denn sie tun doch so viel Gutes, wie kann man sie da kritisieren!
Das Kräfteverhältnis in Familien mit Kindern ist ein besonders heikler Punkt - vor dem Hintergrund der negativen Vorbildfunktion in den eigenen vier Wänden. Als Lebenspartner steht man hier auf völlig verlorenem Posten.
Es ist ein weites Feld, das hier angedeutet wird. Und kein Kunstrasen.

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17.02.2013, 07:00 Uhr

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