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Medizinphysik Schnittstellenforscher sind gefragter denn je

 ·  Die medizinische Anwendung von Physik erlebt derzeit eine Revolution. Doch Fachkräfte sind rar: Junge Physiker interessieren sich mehr für Kern- oder Astrophysik, klagen die Institutionen, die händeringend Nachwuchs suchen.

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Das Frühstück, zu dem das Deutsche Krebsforschungszentrum wahrend des Nobelpreisträger-Treffens am Bodensee auf die im Hafen liegende MS Lindau geladen hat, ist typisch deutsch: Kaffee, Körnerbrötchen und Birchermüsli. Die Diskussionen an diesem sonnigen Mittwochmorgen aber werden Fragen berühren, die international bewegen: Es soll um die Schnittstellen von Physik und Medizin gehen, um die Zukunft der Forschung, die beides verbindet - und um ein Thema, das stets für Emotionen sorgt: die Situation von Frauen in der Wissenschaft.

Am ersten Tisch neben dem Buffet sitzen Monika Uhrig und Frederik Laun, beide sind Mitarbeiter am Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Ihr Forschungsfeld ist die Medizinphysik, und sie sind sich einig: Das Feld wird derzeit reizvoll für immer mehr Wissenschaftler. Die Chancen und Herausforderungen des Gebiets inspirieren inzwischen ungewöhnliche Laufbahnen, die zu hohem Spezialistentum führen: Monika Uhrig etwa studierte zunächst Physik und ließ auf das Diplom noch ein Medizinstudium folgen. Jetzt ist die 32-Jährige gleichzeitig Assistenzärztin in der Radiologie und Postdoc.

Ihr Forschungsschwerpunkt am DKFZ ist die Bildgebung und dabei das „Therapy Response Monitoring“: „Dabei wird etwa kontrolliert, ob ein Tumor während der Therapie Größe oder Dichte ändert, also auf die Behandlung anspricht“, erklärt Uhrig. Hört man den Nachwuchswissenschaftlern zu, ist die Begeisterung für ihr Forschungsfeld in jedem Satz spürbar. Gute Aussichten für die Schnittstellenforschung also, könnte man meinen. Doch Otmar Wiestler, Vorsitzender des Stiftungsvorstands des DKFZ, dämpft gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion den Optimismus ein wenig: „Junge Physiker interessieren sich immer noch mehr für Kernphysik, Astrophysik oder theoretische Physik“, bedauert er. Die Medizinphysik sei noch immer der „Lonely Cousin“. Dabei erlebe gerade sie derzeit eine Revolution. Die Möglichkeiten von CT und MRT etwa würden massiv weiterentwickelt. Gefragt nach der Jobsituation für Physiker in Heidelberg, antwortet Wiestler ohne Umschweife: „Wir brauchen mehr.“

Wenig Lösungen für Forscher-Familien

Und auch andere Wissenschaftler, die an Schnittstellen arbeiten, sind gefragt. Auf dem Podium saß auch Lena Maier-Hein, die in der Abteilung für medizinische und biologische Informatik des DKFZ arbeitet. Die 32 Jahre alte Informatikerin, deren Habilitation gerade abgeschlossen ist, entwickelte während ihrer Promotion ein GPS-System für Patienten, deren Tumoren man bekämpft, indem man lokal die Temperatur verändert. Maier-Heins computergesteuertes Zielsystem weist der Thermonadel den richtigen Weg, auch wenn der Patient sich bewegt, weil er beispielsweise atmet. Der Arzt kann am Bildschirm dreidimensional verfolgen, ob die Nadel den Tumor trifft. Maier-Hein erhielt Preise und schon während Studium und Promotion Stipendien. In Lindau interessierte man sich besonders dafür, dass sie ihr erstes Kind erwartet: Wie die Situation in Deutschland für Wissenschaftlerinnen mit Familie denn aussehe, wollten viele Nachwuchsforscherinnen aus anderen Ländern wissen. „Am liebsten würde ich im ersten Lebensjahr des Kindes weiterarbeiten, von zu Hause aus, mit einer Nanny als Unterstützung - so wie Brad und Angelina“, scherzte Maier-Hein, wurde dann aber gleich ernst: Das sei mit dem Gehalt von Postdocs nicht realisierbar. „Bis jetzt haben wir noch keine gute Lösung gefunden“, musste sie zugeben und forderte, dass die Politik mehr investiert, um die Situation von Frauen in der Wissenschaft zu verbessern.

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Jahrgang 1978, Redakteurin im Ressort „Natur und Wissenschaft“

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