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Medizin Verhütung mit Risiko

20.05.2003 ·  Frauen, die schon fünf Jahre oder länger die Pille einnehmen, erkranken häufiger an Gebärmutterhalskrebs als Frauen, die gar nicht oder auf andere Weise verhütet haben.

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Frauen, die schon fünf Jahre oder länger die Pille einnehmen, erkranken häufiger an Gebärmutterhalskrebs als Frauen, die gar nicht oder auf andere Weise verhütet haben. Wird die Pille abgesetzt, sinkt das Risiko zwar wieder, aber man weiß bislang nicht, in welchem Umfang. Das haben Valerie Beral von der United Kingdom Epidemiology Unit in Oxford und ihre Kollegen herausgefunden, als sie im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation alle klinischen Studien zum Gebärmutterhalskrebs analysierten. Die Ergebnisse wurden unlängst in der Zeitschrift "Lancet" (Bd. 361, S. 1159) vorgestellt. In Deutschland ist Gebärmutterhalskrebs der siebthäufigste, in den Entwicklungsländern der zweithäufigste Krebs.

Wird die Pille fünf bis zehn Jahre lang eingenommen, steigt das Risiko für Gebärmutterhalskrebs auf das Eineinhalbfache, wird sie zehn Jahre und länger eingenommen, auf das Doppelte. Diese Steigerung ist unabhängig von anderen Risikofaktoren, etwa dem Rauchen und einem promiskuitiven Lebenswandel. Frauen, die mit Papillomviren infiziert sind, vergrößern ihr ohnehin schon erhöhtes Risiko durch die Pille noch weiter. Nach zehn Jahren erhöht es sich auf das Dreifache.

Eine Infektion mit Papillomviren gilt weithin als Auslöser für Gebärmutterhalskrebs. Eine besondere Gefahr stellen offensichtlich die Varianten 16 und 18 dar. Mit Beginn der sexuellen Aktivität infiziert sich die Hälfte der Frauen mit Papillomviren, bei achtzig Prozent von ihnen verschwinden die Erreger aber bald wieder ohne Zutun. Von den Frauen, bei denen das Virus überdauert, erkranken drei bis sechs Prozent an Gebärmutterhalskrebs.

Bei der Auswertung der Studien sollte geprüft werden, ob die Pille mitverantwortlich dafür ist, daß aus einer anhaltenden Infektion Krebs wird. Das scheint während der Einnahme in gewissem Maße der Fall zu sein. Wie hoch das Risiko aber nach dem Absetzen der Pille noch ist, kann aus den vorhandenen Daten nicht abgeleitet werden. Somit sind auch keine Rückschlüsse auf das Risiko einer ganzen Bevölkerungsgruppe möglich. Das wäre aber von Interesse, vor allem für die Entwicklungsländer, wo Gebärmutterhalskrebs ein vordringliches Gesundheitsproblem ist. Die genaue Rolle der Pille bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs bleibt also nach wie vor offen.

Quelle: hka., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2003, Nr. 117 / Seite 34
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