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Medizin-Nobelpreis 2003 Quälender Nobelpreis

15.10.2003 ·  Nicht jeder Mensch kann den Nobelpreis für Medizin erhalten. Viele aber könnten bedacht werden, doch die Ehrung bleibt ihnen vorenthalten. Der Forscher und Industrielle Raymond Damadian ist diesmal der große Verlierer.

Von Reinhard Wandtner
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Nicht jeder Mensch kann den Nobelpreis für Medizin erhalten. Viele aber könnten bedacht werden, doch die Ehrung bleibt ihnen vorenthalten. Denn das Nobelkomitee muß natürlich unter den Besten nochmal auswählen. Daß sich mögliche Anwärter dann übergangen fühlen, ist verständlich und eine häufige Begleiterscheinung nach der Bekanntgabe der jeweiligen Preisträger. Selten wurde der Protest aber so massiv vorgetragen wie diesmal. Er kommt von Raymond Damadian.

Der 1936 in den Vereinigten Staaten geborene Wissenschaftler und Industrielle ist Präsident der Fonar Corporation in Melville (New York). Dieses Unternehmen hat sich auf Kernspintomographen spezialisiert - auf jene medizinischen Großgeräte also, die im Mittelpunkt des diesjährigen Medizin-Nobelpreises stehen. Erhalten haben die Auszeichnung der Amerikaner Paul Lauterbur und der Brite Sir Peter Mansfield. Damadian indessen wurde nicht geehrt, und dagegen wehrt er sich jetzt publikumswirksam. Er hat großformatige Zeitungsanzeigen in der "Washington Post" und der "New York Times" geschaltet, in denen er dem Nobelkomitee eine beschämende Fehlentscheidung vorwirft, die korrigiert werden müsse. Anzeigen dieses Formats kosten gewöhnlich 80.000 bis 100.000 Dollar.

Eine lange Liste von Dokumenten

In der Fachwelt ist unumstritten, daß Damadian mit seinen Arbeiten ebenfalls schon früh zur Entwicklung der Kernspintomographie beigetragen hat. Unterschiedlich sind aber die Ansichten darüber, ob seine Forschungen nicht nur wichtig, sondern sogar entscheidend waren. Darauf kommt es an. Denn in der Begründung des Nobelkomitees heißt es, Lauterbur und Mansfield "haben entscheidende Entdeckungen in bezug auf den Einsatz von Magnetresonanz bei der Abbildung unterschiedlicher Strukturen gemacht".

Als Beweis für seine Pionierleistungen legt Damadian eine lange Liste von Dokumenten vor. Das älteste stammt aus dem Jahr 1969. Es ist ein Brief. Damadian war damals am Downstate Medical Center der State University of New York tätig. In dem Brief bittet er den wissenschaftlichen Direktor des Health Research Council der Stadt New York um Unterstützung für die Anwendung der Kernspin-Technik in der Medizin. Damadian verweist auf kurz zuvor vorgenommene Experimente, bei denen mit dem Kernspin-Verfahren erstmals die Konzentration von Kalium in biologischen Objekten - in Bakterien - ermittelt worden sei. Postskriptum merkt er an, das Verfahren könne große Bedeutung in der Krebsmedizin erlangen, weil Tumoren erhöhte Mengen an Kalium enthielten. Enthusiastisch fügt er an, das sollte "uns ganz nah an die totale Ausrottung dieser Krankheiten" bringen.

Damadian ist sehr enttäuscht

Über die Möglichkeit, Tumoren durch Kernspin-Resonanz zu entdecken, berichtete Damadian dann 1971 in der Zeitschrift "Science" (Bd. 171, S. 1151). Anfang der siebziger Jahre haben auch Lauterbur und Mansfield ihre ersten wegweisenden Forschungsergebnisse veröffentlicht. Im Jahr 1978 gründete Damadian die Fonar Corporation. Ein schon 1972 erworbenes Patent brachte ihm 129 Millionen Dollar an Lizenzgebühren von General Electric ein.

Gegenüber der "New York Times" hat Damadian offen bekannt, wie enttäuscht er ist. Er hätte nichts dagegen gehabt, den Nobelpreis mit anderen zu teilen. Daß man ihn ganz ausgeschlossen habe, sei unfair, zumal sich Historiker und Autoren von Lehrbüchern meist an den Entscheidungen des Nobelkomitees orientierten. Aus der Geschichte ausgegrenzt worden zu sein, empfinde er als Qual, mit der er nicht leben könne. Der Vorsitzende der Nobelversammlung, Hans Ringertz, zeigte sich hingegen unbeeindruckt. Er berief sich auf das Urteil führender Experten. Vielleicht hat es Damadian auch ein wenig zum Nachteil gereicht, daß er in akademischen Kreisen bisweilen mit provozierenden Angaben über die Leistungsfähigkeit seiner Geräte angeeckt ist. Einmal, so ist zu hören, habe man ihm auf einer Tagung das Mikrofon ausgeschaltet und ihn vom Rednerpult weggetragen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2003, Nr. 240 / Seite 42
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