06.10.2005 · Gute Gründe mit dem Rauchen aufzuhören gibt es viele: Eine neue Indiziensammlung der Medizin hat die Irrtümer und Vorurteile ums Rauchen erforscht und dabei einige Legenden und Mythen begraben.
Von Susanne MewesIn Asien hält sich der Mythos, daß Asiaten für die schädigende Wirkung der Zigaretten weniger anfällig sind als Menschen kaukasischer Abstammung. Außerdem herrscht in einigen Teilen Asiens die Meinung vor, daß es schädlich für den Körper ist, wenn jemand plötzlich das Rauchen aufgibt. Diese Legenden haben wohl mit dazu geführt, daß heute schon ein Drittel aller Zigaretten allein in China geraucht wird. Mark Woodward von The George Institute for International Health der Universität von Sydney hat jetzt zusammen mit Kollegen aus vielen asiatischen Ländern die größte Studie über das Rauchen im asiatisch-pazifischen Raum veröffentlicht.
Die Wissenschaftler haben Daten über das Rauchverhalten und den jeweiligen Gesundheitszustand von etwa einer halben Million Asiaten und Asiatinnen zusammengetragen. Ungefähr hunderttausend Kaukasier aus dem australisch-pazifischen Raum dienten als Vergleichsgruppe.
Junge Menschen sind gefährdeter
Aus dieser Studie geht klar hervor, daß Rauchen für asiatische Männer und Frauen ein gleich hohes Gesundheitsrisiko birgt wie für Kaukasier. Für alle Raucher gilt: Je mehr Zigaretten geraucht werden, desto größer ist die Gefahr, einen Schlaganfall zu bekommen oder an Herzleiden zu erkranken. Prinzipiell sind junge Menschen durch das Rauchen gefährdeter als ältere, und Frauen sind statistisch gefährdeter als Männer, wie Woodward und seine Mitarbeiter im „International Journal of Epidemiologie“ berichten.
Die einzig wirksame Maßnahme für einen Raucher, etwas für seine Gesundheit zu tun, ist, das Rauchen aufzugeben. Wer bisher dachte, eine Zigarette sei keine Zigarette, wird durch das ernüchternde Ergebnis einer weiteren Studie eines besseren belehrt. Denn auch der Konsum von nur ein bis vier Zigaretten am Tag birgt ein erhöhtes Gesundheitsrisiko, wie Kjell Bjartveit vom National Health Screening Service in Oslo und seine Mitarbeiter herausfanden. Neben der Gefahr von Herz-Kreislauf-Krankheiten ist die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu sterben, für Wenigraucher größer als für konsequente Nichtraucher. Außerdem besteht auch bei geringem Zigarettenkonsum eine stärkere Anfälligkeit für Krankheiten aller Art. Das berichtet Bjartveit im Journal „Tobacco Control“ (Bd. 14, S. 315).
Risiko Lungenkrebs
Immerhin verringert ein Raucher, der seinen Zigarettenkonsum von zwanzig auf weniger als zehn Zigaretten pro Tag bringt, das Risiko, Lungenkrebs zu bekommen, um ein Drittel. Das haben zumindest Nina S. Godtfredsen vom Kopenhagener Universitätskrankenhaus und ihre Kollegen bei Studien mit etwa zwanzigtausend Teilnehmern über einen Zeitpunkt von bis zu dreißig Jahren herausgefunden. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse in der Zeitschrift der amerikanischen Medizingesellschaft „Jama“ (Bd. 294, S. 1505) vorgestellt.
Eine gemeinsame Schlußfolgerung lassen alle diese Studien zu: Die alte Regel, wonach es immer am gesündesten ist, niemals mit dem Rauchen anzufangen, gilt uneingeschränkt. Das gilt im Grunde auch für das Passivrauchen. Kari Hemminki und Bowang Chen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg haben untersucht, welche Folgen das Rauchen in Familien für die betreffenden Kinder haben kann. Sie nutzten dazu Daten des nationalen schwedischen Familien-Krebsregisters. In diesem Register fanden die Wissenschaftler rund 20 000 Mütter und 40 000 Väter, die an Lungenkrebs erkrankt waren. Bei den Nachkommen dieser Eltern waren bis zum jeweiligen siebzigsten Lebensjahr annähernd 170 000 Tumorerkrankungen verzeichnet worden - vor allem Krebserkrankungen der oberen Luftwege, Nasenkrebs und Lungenkrebs.
Wachsende Organe sind am anfälligsten
Ausschließlich bei den Kindern rauchender Mütter traten zusätzlich Nieren- und Blasenkrebs auf. Das berichten die Wissenschaftler in einer Vorabveröffentlichung des „International Journal of Cancer“. Viele der krebserregenden Stoffe aus der Zigarette gelangen offenkundig während der Schwangerschaft und Stillzeit in den Körper des Ungeborenen und Säuglings. Die Gifte werden zwar später durch Nieren und Blase wieder ausgeschieden, doch die wachsenden Organe sind anfangs besonders anfällig und werden so schon im Mutterleib geschädigt.