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Medizin Kaffee gegen Zucker

24.10.2005 ·  Kaffee ist gesünder, als man meint: Sechs bis sieben Tassen täglich empfehlen Experten zur Prävention von Diabetes. Neben gesunder Ernährung und ausreichend Sport, versteht sich.

Von Martina Lenzen-Schulte
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Kaffee beugt offenbar der Zuckerkrankheit im Alter vor. Der tägliche Konsum von vier bis sechs Tassen geht mit einem um 28 Prozent niedrigeren Diabetesrisiko einher - verglichen mit Personen, die weniger als zwei Tassen am Tag trinken.

Sieben Tassen senken das Erkrankungsrisiko sogar um 35 Prozent. Das ist das Ergebnis einer systematischen Analyse von insgesamt neun Studien, die sich mit dem Vorkommen von Typ-II-Diabetes bei Kaffeetrinkern befaßt hatten.

Sie wurde von Rob van Dam und Frank Hu von der Abteilung für Ernährung und Gesundheit der Harvard-Universität in Boston im Fachblatt der amerikanischen Ärzteschaft veröffentlicht („Jama“, Bd. 294, S. 97).

Vorurteil gegenüber Kaffee

Kaffee zählt zu jenen „Lifestyle-Faktoren“, die erst in jüngster Zeit im Zusammenhang mit der dramatischen Zunahme der Zuckerkrankheit ins Blickfeld geraten sind. Eindeutig zählen kalorienreiches Essen und mangelnde Bewegung zu den Hauptrisikofaktoren.

Seit man begann, weitere Bindeglieder ungesunder Lebens- und Eßgewohnheiten unter die Lupe zu nehmen, war der Kaffeekonsum - wie auch der Alkoholgenuß - zunächst eher verdächtig. Sie galten im Verbund mit Rauchen als Hinweis auf eine eher ungesunde, hektische und unsportliche Lebensweise.

Dann entlarvten erste Untersuchungen das zumindest gegenüber dem Kaffee als Vorurteil, und die jüngste Zusammenschau aller bisher erhobenen Befunde bestärkt diese neue Sichtweise.

Heilsame Kräfte

Belege dafür gibt es nicht nur aus rein beschreibenden, epidemiologischen Studien. Bestätigt werden die Ergebnisse auch durch Laboruntersuchungen zu den Inhaltsstoffen des Kaffees, die sogar theoretisch plausible Erklärungen für die eher heilsamen Kräfte des Kaffees parat halten.

Kaffee trägt zu einem nicht unbeträchtlichen Teil zur Summe der antioxydativen Wirkung bestimmter Nahrungsteile bei. Man weiß, daß der durch freie Sauerstoffradikale auf den Körper einwirkende oxydative Streß an der Entstehung des Typ-II-Diabetes und dessen Folgen beteiligt ist.

Einzelne Inhaltsstoffe des Kaffees sind sogar explizit an einer Senkung des Blutzuckers beteiligt. Das gilt zum einen für die Chlorogensäure und für jene beim Rösten entstehenden Substanzen, die Quinide.

Diabetischer Teufelskreis

Erstere sorgt beispielsweise dafür, daß weniger Glukose aus der Nahrung über den Darm aufgenommen wird, letztere können offenbar die sogenannte Insulinsensitivität verbessern, eine entscheidende Hilfe gegen die Entgleisung des Zuckerhaushaltes.

Wenn nämlich die Organe, die den Zucker aus dem Blut aufnehmen sollen, nicht mehr ausreichend auf Insulin ansprechen, beginnt eine Abwärtskaskade für den Stoffwechsel.

Die verzweifelt mehr Insulin ausschüttende Bauchspeicheldrüse arbeitet vergeblich, da die blutzuckersenkende Wirkung des Insulins andauernd verpufft. Andere ungünstige Wirkungen des stets überhöhten Insulinspiegels münden letztlich in einen diabetischen Teufelskreis.

Blutzuckersenkender Effekt

Die Wirkung der Kaffeezusatzstoffe könnte auch erklären, warum einige Untersuchungen zum Koffein allein eher widersprüchliche Ergebnisse brachten. So zeigte sich etwa, daß die Sofortwirkung von Koffein geneigt ist, den Blutzucker zunächst in die Höhe zu treiben.

Allerdings verpufft dieser Effekt nach einer kurzen Gewöhnungsfrist, so daß die obengenannten Befunde durchaus einen langfristig betrachtet günstigen Einfluß widerspiegeln könnten. Zudem hat man zeigen können, daß der blutzuckersenkende Effekt deutlicher für Kaffee als Mischprodukt als für Koffein als Einzelwirkstoff ausfällt.

Rückgang koronarer Herzkrankheiten

Die Art der Kaffeezubereitung spielt schließlich auch eine Rolle, besonders für den wichtigen Einfluß auf den Fettstoffwechsel. Untersuchungen in Finnland haben ergeben, daß der Wechsel von in der Kanne aufgebrühtem Kaffee hin zu gefiltertem Kaffee mit einer erheblichen Senkung des ungünstigen LDL-Cholesterins einhergeht.

Der deutlich meßbare Rückgang koronarer Herzkrankheiten in diesem Land wird nicht zuletzt auf diesen Umstand zurückgeführt.

Bevor man allerdings die 320 Millionen Tassen Kaffee, auf die pro Tag der Kaffeekonsum in Deutschland geschätzt wird, als echte medizinische Präventivmaßnahme bezeichnen kann, bedarf es noch weiterer aussagekräftiger Untersuchungen.

Quelle: F.A.Z., 25.10.2005, Nr. 248 / Seite 38
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