11.04.2005 · Wirkstoff gegen Verengung von Gefäßen
Geringe Mengen des Hauptwirkstoffs in Haschisch und Marihuana können einer Verengung von Adern wie den Herzkranzgefäßen entgegenstehen. Das haben Forscher aus Genf und Bonn bei Versuchen mit Mäusen herausgefunden.
Für den Wirkstoff, das Tetrahydrocannabinol, gibt es im Organismus zwei Arten von molekularen Bindungsstellen. Die eine, bezeichnet als CB1, findet sich vor allem im Gehirn. Diese Bindungsstellen sorgen für die Rauschwirkung der Droge. Der andere Typ, CB2, kommt hingegen nur außerhalb des Nervensystems vor, insbesondere auf Zellen des Immunsystems. Solche Zellen fördern Atherosklerose, die mit Entzündungsvorgängen verbundene Verstopfung von Blutgefäßen.
Eindämmung ohne psychische Wirkung möglich
Wie Francois Mach vom Universitätshospital Genf zusammen mit den anderen Forschern in der Zeitschrift "Nature" (Bd.434, S.782) berichtet, vermochte der Wirkstoff die Atherosklerose bei den Mäusen um mehr als ein Drittel zu verringern. Er hemmte offenbar die Aktivität von bestimmten Immunzellen, den Makrophagen. Bei der verwendeten Menge treten noch keine psychischen Effekte auf. Die Forscher hoffen, daß sich die Atherosklerose auch beim Menschen mit Tetrahydrocannabinol oder anderen auf die CB2-Bindungsstelle zielenden Substanzen eindämmen läßt.
Die günstige Wirkung auf Blutgefäße trat freilich nur in einem engen Dosisbereich auf, der in der Praxis nicht leicht einzuhalten sein dürfte. Völlig falsch wäre zudem die Annahme, der Konsum von Haschisch und Marihuana sei gut für das Herz. Denn über die Aktivierung der CB1-Bindungsstellen im Gehirn kommt es zu einer für die Herzkranzgefäße schädlichen Stressreaktion, wie der Herzspezialist Michael Roth aus Los Angeles in der gleichen Ausgabe der Zeitschrift anmerkt.