Täglich eine Spritze zu bekommen, gehört nicht zu den angenehmsten medizinischen Behandlungen. Forscher des Massachusetts Institute of Technology haben nun erstmals einen programmierbaren Chip im Menschen getestet, der ein Osteoporose-Medikament direkt in die Blutbahn abgibt und solche täglichen Injektionen zumindest für Patientinnen, die an der chronischen Knochenkrankheit leiden, überflüssig machen könnte. In der Zeitschrift "Science Translational Medicine" beschreiben die Entwickler um Robert Farra und Robert Langer die Resultate einer klinischen Studie, die die Pharmakokinetik des Chips sowie die Lebensqualität der Patientinnen während der Therapie untersucht (doi: 10.1126/scitranslmed.3003276).
Der Chip wurde den Patientinnen in einer ambulanten Operation mit lokaler Betäubung unter die Haut an der Taille implantiert. Nach zwei Monaten, in denen sich eine Kapsel aus fibrösem Gewebe um den Chip gebildet hatte, wurde der Chip mittels Funkfernsteuerung aktiviert und setzte über den Zeitraum von etwa einem Monat täglich eine Dosis des hochpotenten Medikaments frei.
Weiterentwicklung geplant
Eine solche Dosis wird innerhalb von 25 Mikrosekunden vom Chip abgegeben, von Kapillaren im Körper aufgenommen und in den Blutkreislauf transportiert. Die sieben Frauen zwischen 65 und siebzig Jahren waren in ihrer Lebensqualität nicht eingeschränkt und litten nicht unter Nebenwirkungen. Blutuntersuchungen zeigten außerdem, dass sich die Knochenbildung genau wie bei einer Verabreichung des Medikaments mit einer Spritze verbesserte. In den kommenden fünf Jahren wollen die Forscher das Implantat so weiterentwickeln, dass dieses bis zu vierhundert Dosen enthält und ein Jahr ausreicht. Allerdings eignet sich dieses Verfahren nur für Medikamente, die ausreichend potent sind, also von denen nur eine geringe Menge in einem Reservoir benötigt wird.
In Zukunft planen die Wissenschaftler ihr System mit einem Sensor zu verbinden, der einen Indikator im Blut misst. Dann könnte das Behandlungsprotokoll automatisch an die Bedingungen im Körper angepasst werden. Außerdem könnte dieses System über das Handynetz mit dem Computer eines Arztes verbunden werden, der in Echtzeit den Zustand und die Behandlung des Patienten überwachen kann. So wäre der Erfolg einer Behandlung nicht mehr davon abhängig, ob sich der Patient tatsächlich an das verschriebene Behandlungsprotokoll hält.
Ein Zentralregister für Implantate ist hoffentlich in Arbeit
klaus keller (klkeller)
- 02.03.2012, 15:30 Uhr
