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Medikamente Eine Waffe gegen Brustkrebs?

10.12.2004 ·  Ein Mittel gegen Knochenschwund mit überraschender „Nebenwirkung“: Ein neue Studie belegt, daß es das Brustkrebsrisiko um mehr als die Hälfte senkt.

Von Hildegard Kaulen
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Eine neue Studie aus den Vereinigten Staaten hat jetzt unmißverständlich gezeigt, daß Frauen, die das Antiöstrogen Raloxifen zur Behandlung einer Osteoporose einnehmen, damit ihr Brustkrebsrisiko um mehr als die Hälfte senken. Die Studie hat allerdings nicht gezeigt, ob das Raloxifen für eine generelle Brustkrebsprävention in Frage kommt und ob es dabei dem ebenfalls zu den Antiöstrogenen zählenden Tamoxifen oder dem Aromatase-Hemmstoff Anastrazol überlegen ist. Die von Silvano Martino von der Cancer Institute Medical Group in Santa Monica vorgestellte Studie baut auf einer früheren Studie auf ("Journal of the National Cancer Institute", Bd. 96; S. 1751).

Ende der neunziger Jahre war bereits gezeigt worden, daß die Einnahme von Raloxifen bei Frauen mit Osteoporose eine günstige Wirkung auf das Brustkrebsrisiko hat. Die Nebenwirkungen schienen vergleichsweise gering zu sein. Als klinisch relevant wurde ein erhöhtes Risiko für Gefäßverschlüsse durch Thrombosembolien betrachtet. Die Gefahr von Gebärmutterkrebs, die bei der Einnahme von Tamoxifen erkannt worden ist, war bei der langfristigen Einnahme von Raloxifen nicht zu sehen.

Krebsrisiko deutlich vermindert

Mit der neuen Studie sollte untersucht werden, ob eine Verlängerung der Einnahmezeit von vier auf acht Jahre das Risiko für Brustkrebs weiter senkt und ob sich mit der Dauer der Einnahme neue, bisher nicht bekannte Nebenwirkungen ergeben. Die Ergebnisse sind eindeutig: Das Risiko für invasiven Brustkrebs sank in den ersten vier Jahren um 72 Prozent, in den zweiten vier Jahren um 59 Prozent. Die vorbeugende Wirkung geht also offensichtlich leicht zurück, ist aber nach wie vor hoch. Die Nebenwirkungen blieben über den gesamten Behandlungszeitraum gleich. Neue Nebenwirkungen kamen allerdings auch nicht hinzu.

Trotz dieser vergleichsweise guten Ergebnisse wird die Studie in einem begleitenden Kommentar als enttäuschend eingestuft. Wegen der engen Anbindung an die Osteoporose gilt ihre Aussagekraft als eingeschränkt. Bei der ersten Studie ging es zunächst um die Behandlung der Osteoporose mit Raloxifen. Das Interesse an der Prävention von Brustkrebs ergab sich erst im nachhinein. Deshalb wurden auch in der Folgestudie nur ältere Frauen mit Osteoporose behandelt, die kein erhöhtes Risiko für Brustkrebs hatten. Zwischen dem Ende der ersten Studie und dem Beginn der zweiten Studie lagen zudem viele Monate. Wer in dieser Zeit Brustkrebs entwickelte, wurde von der zweiten Studie ausgeschlossen, was als Selektion für ein geringes Brustkrebsrisiko betrachtet werden kann.

Viele Fragen weiterhin offen

Die eigentliche Zielgruppe, die für eine Chemoprävention in Frage kommt, wurde zu keinem Zeitpunkt behandelt. Viele drängende Fragen sind also nach wie vor offen. Zum Beispiel auch die, ob sich junge Frauen ohne Osteoporose, aber mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs mit Raloxifen schützen können und in welchem Alter mit einer Chemoprävention begonnen und wann sie wieder beendet werden soll. Auch der Stellenwert des Raloxifens unter den für eine Chemoprävention in Frage kommenden Substanzen ist nach wie vor offen. Diese Fragen müssen jetzt durch andere Studien beantwortet werden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2004, Nr. 289 / Seite 36
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